Akkordeon-Hit bei YouTube Nordkoreas a-ha-Effekt

Auf YouTube ist's ein Hit: Fünf Akkordeonspieler aus Nordkorea interpretieren den Achtziger-Jahre-Chartstürmer "Take on Me", auf ganz eigene Art. Den ulkigen Film hat der norwegische Künstler Morten Traavik eingestellt. Im Interview erzählt er die Geschichte der ungewöhnlichen Combo.
Nordkoreanische Akkordeon-Combo in Pjöngjang: "Take on Me" von a-ha mal anders

Nordkoreanische Akkordeon-Combo in Pjöngjang: "Take on Me" von a-ha mal anders

Foto: Morten Traavik

Sie sitzen auf weißlackierten Holzstühlen, im Hintergrund ist eine großformatige Winterlandschaft zu sehen - und ein paar künstliche Sonnenblumen. Davor stimmen fünf junge Nordkoreaner "Take on Me" an, in der Akkordeon-Version. Gefilmt hat sie Morten Traavik, 40.

Der norwegische Künstler pflegt ganz besondere Beziehungen nach Nordkorea. Vor einigen Jahren wurde er bekannt als "der Mann, der die Discokugel nach Nordkorea brachte". Traavik reiste mit der Glitzerkugel durch eines der am stärksten isolierten Länder der Welt und ließ sich an verschiedenen Orten ablichten. Das Ganze sollte der Völkerverständigung dienen.

Seine neueste Aktion hat ein ähnliches Ziel. Der Norweger stellte einen Clip ins Netz, der sich innerhalb kurzer Zeit zum Renner auf YouTube  entwickelte: die Gruppe nordkoreanischer Akkordeonspieler. Weit mehr als eine halbe Million Mal wurde ihre Darbietung des Songs "Take on Me" der norwegischen Band a-ha in den vergangenen Tagen bereits angeklickt. Zu sehen sind fünf Studenten, drei Männer und zwei Frauen, der Kum-Song-Musikschule in Pjöngjang.

SPIEGEL ONLINE: Herr Traavik, das von Ihnen produzierte Video einer Akkordeon-Combo bricht im Internet alle Rekorde. Wie kam der Kontakt zu den jungen Nordkoreanern zustande?

Traavik: Das hängt mit meinen regelmäßigen Nordkorea-Reisen zusammen. In den vergangenen drei Jahren war ich fünfmal dort. Es gibt eine Art Kooperation mit Organisationen vor Ort. Zuletzt war ich im Dezember in Nordkorea. Dabei habe ich einige Konzerte besucht - unter anderem Akkordeon-Konzerte. Das Akkordeon ist sehr beliebt in Nordkorea, beinahe ein Nationalinstrument. Der Auftritt dieser fünf 16 bis 21 Jahre alten Musiker hat mich sehr beeindruckt. Und da habe ich mir gedacht: Sie haben ein größeres Publikum verdient.

SPIEGEL ONLINE: Deshalb haben Sie den Clip auf YouTube gestellt?

Traavik: Genau. Ich habe sie zum internationalen Kunst- und Kulturfestival "Barents Spektakel" nach Kirkenes eingeladen, das in dieser Woche beginnt. Und jetzt sind sie tatsächlich hier, ganz im Norden Norwegens, nahe der Grenze zu Russland, als Teil meines großen Multi-Genre-Projekts "Das gelobte Land". Der Clip ist als Werbung für das Projekt gedacht gewesen.

SPIEGEL ONLINE: Warum gerade "Take on Me" von a-ha?

Traavik: Ich dachte, es wäre eine gute Idee, die jungen Akkordeonspieler vor die Herausforderung zu stellen, norwegische Songs zu spielen. Deshalb habe ich einige Stücke ausgewählt, zum Beispiel eins von Edvard Grieg, dem berühmten norwegischen Komponisten. Ich wollte aber unbedingt einen Popsong. Und da gab es eigentlich nur einen, der in Frage kam - weil ihn jeder Norweger kennt.

SPIEGEL ONLINE: Mochten die nordkoreanischen Musikstudenten den Song auf Anhieb?

Traavik: Auf den Videobildern lässt sich schon erkennen, dass sie Spaß daran haben. Sie kennen nicht viel westliche Musik, sind aber sehr aufgeschlossen, extrem talentiert und musikalisch hervorragend ausgebildet. Ich hatte keine Noten von "Take on Me" zur Hand und wir haben nur einen Tag geprobt. Das Ergebnis ist beeindruckend.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie mit der enormen Aufmerksamkeit gerechnet?

Traavik: Ich habe mir schon gedacht, dass diese Kombination Aufmerksamkeit erregen könnte, aber nicht in diesem Ausmaß, sogar mit internationaler Berichterstattung. Fünf junge Menschen, die Akkordeon spielen, sind ja nicht so ungewöhnlich. Auch fünf junge Menschen, die einen Popsong wie "Take on Me" auf dem Akkordeon spielen, sind im Grunde nichts Besonderes. Aber fünf junge Nordkoreaner, die das machen, eben schon. Da gibt es diesen Aha-Effekt. Und zwar, weil es viele Leute verwirrt. Es ist nicht das, was man mit Nordkorea verbindet.

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Das Interview führte Jens Witte
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