Gefährlicher Nervenkitzel Die Gumpenjucker aus dem Allgäu

Mordsgaudi oder lebensgefährlich? Im Allgäu stürzen sich immer mehr Menschen beim sogenannten Gumpenjucken von hohen Felsen in kleine Wasserbecken. Der waghalsige Sprung endete bereits mehrmals tödlich.

Karl-Josef Hildenbrand/ DPA

Gumpenjucken heißt ein Freizeitabenteuer, das im Allgäu immer beliebter wird. An den Buchenegger Wasserfällen in Oberstaufen springen regelmäßig Menschen von hohen Felsen ins Wasser. Ein Nervenkitzel, den bereits mehrere Menschen mit dem Leben bezahlt haben.

Wasser stürzt mehrere Meter in die Tiefe. Auf einem Felsvorsprung neben dem Wasserfall hockt ein junger Mann in Badeshorts. Etwa 17 Meter trennen ihn von einem türkisgrünen Becken. "Gumpen" werden diese Becken unter Wasserfällen genannt. "Jucken" heißt im Allgäuer Dialekt "springen".

Der Weg zu den Wasserfällen führt von einem Parkplatz über einen unebenen Serpentinenweg etwa 20 Minuten durch einen Wald - steil, schmal, schattig und mit Wurzeln übersät. Dennoch sind die beiden Wasserfälle inmitten eines Waldes längst kein Geheimtipp mehr.

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Mordsgaudi oder lebensgefährlich?: Klippenspringen im Allgäu

"Manchmal fühlt es sich hier an wie ein voller Badestrand", sagt Kevin Whisenton. Der 24-Jährige aus Kempten kommt seit dreizehn Jahren zu den Wasserfällen. Natürlich sei Gumpenjucken gefährlich, sagt er. "Aber der Absprung und der freie Fall, wenn es kein Zurück mehr gibt - dieses Gefühl ist der Hammer!"

Jahr für Jahr kämen mehr Touristen, darunter viele Klippenspringer. Geschuldet sei das vor allem Videos im Internet, die waghalsige Sprünge zeigen. Das Tourismusbüro in Oberstaufen bewirbt das Gumpenjucken hingegen nicht und warnt sogar davor: "Viel zu gefährlich", sagt eine Sprecherin. Es gab schon Todesfälle.

Bereits mehrere Todesfälle

Im Jahr 2014 rutschte eine Studentin aus Amerika, die auf Europareise war, ab. Sie fiel in einen Wasserstrudel, der durch die herabstürzenden Wassermassen entstehen kann. Sie ertrank im Sog. Zwei Jahre später fiel ein Flüchtling ins Wasser, als er über einen Bachlauf springen wollte. Der Wasserfall riss ihn herunter. Er landete in einer der Gumpen, wurde aber durch die Strömung in den zweiten, folgenden Wasserfall gezogen. Um ihn zu retten, sprang ein 31-jähriger Betreuer hinterher. Beide tauchten nicht mehr lebend auf.

Fünf Absprungstellen in die Gumpen gibt es, von der höchsten geht es knapp 30 Meter hinab. Warnschilder gibt es keine. Wer sich verletzt, muss lange auf Rettung warten. Denn an den Buchenegger Wasserfällen gibt es kein Handynetz und auch keine Aufsicht. Ein Krankenwagen könnte den abschüssigen Pfad ohnehin nicht passieren. Einzige Möglichkeit wäre ein Rettungshubschrauber. Die Springer hält das aber nicht ab. Solange das Wetter gut ist, kommen die Leute und jucken.

cfr/dpa



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