Altenpflege Jeder fünfte Heimbewohner eingesperrt

Deutschlands Krankenkassen schlagen Alarm. 140.000 alte Menschen werden in Pflegeheimen mit Gittern oder Gurten festgehalten, viele ohne richterliche Anordnung. Fast der Hälfte aller Heimbewohner droht das Wundliegen.
Pflege in Deutschland: 61 Prozent der Heimbewohner sind dement

Pflege in Deutschland: 61 Prozent der Heimbewohner sind dement

Foto: Tobias Kleinschmidt/ dpa

Berlin - Hunderttausende Bewohner von Seniorenheimen in Deutschland werden nicht ausreichend gepflegt. Mehr als 140.000 Menschen werden mit Gittern oder Gurten im Bett oder Rollstuhl festgehalten. Bei 14.000 von ihnen fehlt die dafür vorgeschriebene richterliche Anordnung. Das teilten die Krankenkassen bei der Vorlage ihres neuen Qualitätsberichts zur Pflege in Deutschland mit. Kassenverbandsvorstand Gernot Kiefer forderte, die Häufigkeit solcher Freiheitseinschränkungen sehr deutlich zu reduzieren und in jedem Fall den Rechtsweg einzuhalten.

Trotz Verbesserungen im Vergleich zum Vorgängerbericht 2007 forderte der Medizinische Dienst der Kassen deutliche Verbesserungen in den Heimen. "Die Qualität der Pflege in Deutschland ist überwiegend gut", sagte Geschäftsführer Peter Pick. "Jedoch wird in zentralen Versorgungsbereichen - Beispiel Ernährung oder Wundliegen - eine relevante Gruppe von 20 bis 40 Prozent der Pflegebedürftigen nicht entsprechend den anerkannten Standards einer guten Pflege gepflegt."

So hätten 47 Prozent der 700.000 Heimbewohner ein erhöhtes Risiko, sich wund zu liegen. In 41 Prozent dieser Fälle seien Versäumnisse beim Schutz davor festgestellt worden.

Viele Menschen würden mit Pillen ruhiggestellt: "Es ist in der Tat so, dass zu viele ruhigstellende Mittel in Pflegeeinrichtungen verordnen werden", sagte Pick. Insgesamt seien 61 Prozent der Heimbewohner wegen Demenz oder ähnlicher Leiden eingeschränkt handlungsfähig.

Basis des Berichts sind die Daten aller Qualitätsprüfungen des Medizinischen Dienstes der Kassen zwischen Juli 2009 und Dezember 2010. Geprüft wurden 8101 Heime, 7782 ambulante Pflegedienste und somit die Lage von 62.000 Heimbewohnern und 44.900 ambulant Betreuten.

jbr/dpa
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