Prominente Aktivistin Clooney spricht über Risiko im Kampf gegen IS 

Amal Clooney und Nadia Murad wollen den "Islamischen Staat" vor Gericht bringen. Gemeinsam mit der Jesidin hat die Juristin und Schauspielergattin die Terroristen bei der Uno angeprangert. Doch das Engagement ist gefährlich.

DPA

Die prominente Menschenrechtsanwältin Amal Clooney hat im Fernsehen über die Risiken ihres Kampfes gegen die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) gesprochen. Anlässlich der Verleihung des Uno-Sonderbotschafterstatus an die junge Jesidin Nadia Murad sagte die Juristin und Schauspielergattin Clooney dem Sender NBC: "Das ist etwas, das ich mit meinem Mann bespreche, bevor ich mich darauf einlasse." In der Sendung "Today" ergänzte sie: "Wir haben es besprochen - und sind uns über einige der Risiken im Klaren, die damit einhergehen."

George und Amal Clooney engagieren sich bereits länger für syrische und irakische Flüchtlinge. Im Februar sprach das berühmte Ehepaar mit Kanzlerin Angela Merkel über Auswege aus der humanitären Katastrophe, im März veröffentlichten die beiden ein Video von ihren Begegnungen mit Flüchtlingen - und gaben zu, auch sie seien Migranten.

Nadia Murad, die vom IS als Sexsklavin missbraucht worden war, begleitete Clooney zum Gespräch mit Talkmasterin Cynthia McFadden. "Ich kann mir nichts Schlimmeres vorstellen, was ein Mensch jemandem anderen antun kann", sagte Clooney zu den Gräueltaten, die Murad und die anderen Opfer der Terrororganisation erlitten haben. Verglichen mit den Risiken, denen sich die 23-Jährige durch ihr Engagement aussetze, seien ihre Risiken jedoch klein, sagte Clooney in dem Gespräch. "Sie haben ihr konkrete Drohungen geschickt."

Clooney: Uno soll IS vor Strafgericht in Den Haag bringen

Gemeinsam wollen die beiden Frauen über die Uno gegen den IS vorgehen - und die Terrororganisation so wegen Völkermords vor Gericht bekommen. In einer bewegenden Rede vor der Völkergemeinschaft hatte Amal Clooney bereits am Freitag gesagt: "Ich wünschte, ich könnte sagen, ich bin stolz hier zu sein. Doch ich bin es nicht. Es beschämt mich, dass wir die Schreie nach Hilfe ignorieren."

Der Sicherheitsrat habe die Macht, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Er könne eine internationale Ermittlung wegen Völkermords an der religiösen und ethnischen Minderheit der Jesiden starten - und dann Beweismaterial an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag schicken, forderte Clooney. Die Täter zu identifizieren, sei dabei kein großes Problem - brüsteten sie sich doch im Internet mit ihren Gräueltaten. Bomben allein würden dagegen nicht helfen: "Man kann eine Idee nicht töten."

Murad hatte die Sklaverei im Nordirak überlebt und Schutz in Baden-Württemberg gefunden. Als Stimme der noch rund 3200 vom IS festgehaltenen Frauen mache die 23-Jährige ihr Mut, sagte Clooney in dem Interview. "Sie half mir bei der Entscheidung", sagte die 38-Jährige zu ihrem Entschluss, sich für die Opfer des Krieges einzusetzen. "Was sie tut ist großartig."

Die junge Jesidin berichtete, ihre Familie sei bei einem Überfall auf ihr Dorf vor gut zwei Jahren umgebracht worden. Dennoch will sie nicht bloß ein Opfer der Terroristen sein - und sucht Alliierte im Kampf gegen die Versklavung im Nordirak. Der Sonderbotschafterstatus gegen Menschenhandel soll ihr dabei dienen. "Ja, ich setze mein Leben aufs Spiel, aber ich habe kein eigenes Leben, wenn ich den anderen Opfern nicht helfe", sagte die von Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon ausgezeichnete Frau.

apr/dpa



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