Amerikaner beim Schuhplattln "Yes, we are Trachtler"

Balztänze sind nicht nur etwas für Auerhähne und knorrige Bayern. Auch in den USA gibt es große Freunde der Trachten und des Schuhplattlns. Eine krachlederne Delegation aus Pennsylvania reiste zum Tanzwettbewerb in München an - und schlug sich wacker.

Planegg - Mark LaCourse aus Minnesota in den USA begeistert sich seit Jahrzehnten fürs Schuhplattln. Es begann, als er drei Jahre alt war. Inzwischen ist der Senior mit seinem Bierbauch Gauvorplattler der amerikanischen Schuhplattlergruppe "Edelweiß". Am Samstag nahmen seine Schützlinge in Planegg bei München am "Preisplattln" um den "Bayerischen Löwen" teil. Zum Wettbewerb traten 17 US-Einzelteilnehmer an - und als Gruppe der United German Hungarian Club aus Oakford in Pennsylvania.

Die Eltern von LaCourse haben ihre Wurzeln im Saarland und waren schon immer begeisterte Tänzer. Durch ihr Interesse am Folktanz stießen sie schließlich auf die bayerischen Traditionen und auf das Schuhplattln. Diese Leidenschaft hätten seine Eltern dann auf ihn übertragen: "We are Trachtler", stellt der Amerikaner lachend fest.

Bereits 1874 gründeten deutsche Immigranten wurde in New York den ersten Trachtenverein - neun Jahre vor der ersten Gründung hierzulande. Weit weg von der Heimat wollten die Deutschen ihre Traditionen aufrechterhalten und pflegen. Dem übergeordneten nordamerikanischen Trachten-Gauverband gehören heute 87 Vereine aus den USA und Kanada an. Mittlerweile finden sich immer häufiger Amerikaner ohne deutsche Wurzeln oder direkten Bezug zur deutschen Kultur in den Vereinen. "Man muss nicht als Bayer geboren werden, um Bayer im Herzen zu sein", sagt LaCourse.

Schweinebraten schmeckt in Bayern besser

Einmal in der Woche treffen sich die "Bayern im Herzen", um gemeinsam das Schuhplattln zu trainieren und sich über die bayerischen Traditionen auszutauschen. Der Amerikaner plaudert lieber auf Englisch als auf Deutsch, doch die fürs Plattln wichtigen Ausdrücke spricht er in perfektem Bairisch aus. Dem Verein ist die Sprache ein besonderes Anliegen, da die Mundart ein wichtiger Teil der Kultur sowie der Traditionen sei.

LaCourse ist vortrefflich über die bayerischen Bräuche und Sitten informiert und kann sogar den Ursprung des Schuhplattlns erklären. Es handele sich hierbei um einen Balztanz, den sich die Menschen vom Auerhahn abgeschaut hätten. Die "Buam" suchen sich ein "Deandl" und versuchen mit Hochsprüngen, Verrenkungen und verschiedensten Plattler-Figuren, um ihre Gunst zu werben. Ein junger Trachtler bestätigt, dass auch heute noch die besonders guten Plattler bei den Mädchen sehr beliebt seien.

Die Vereine des Nordamerikanischen Gauverbandes organisieren regelmäßig Feste in den USA und in Kanada, bei denen die Mitglieder ihre Trachten und ihr Können zur Schau stellen können. Neben "Preisplattln" gibt es auch typisch bayerische Kost. "Nur so gut wie hier schmecken der Schweinebraten und das Sauerkraut natürlich nicht", gibt LaCourse unumwunden zu.

Oakford gewinnt nicht, tanzt aber passabel

Dem Wunschbayern ist es ein großes Anliegen, die bayerischen Traditionen auch noch über Generationen hinweg weiter zu geben. Zwar sei es nicht einfach, auch die Jugend von dieser so weit entfernten und fremden Kultur zu begeistern. Doch LaCourse zeigt sich zuversichtlich, dass besonders Amerikaner mit deutschen Wurzeln ihre Verbundenheit zu dieser Kultur erkennen und schätzen lernen.

Beim Wettbewerb in Planegg schlugen sich die Gastplattler von jenseits des Atlantiks ganz passabel. Rund 300 "Einzelplattler" und circa 30 Tanzgruppen, die meisten natürlich aus Bayern, gaben ihr Bestes. In unterschiedlichen Kategorien und Altersgruppen plattelten und drehten sich die rund 600 Teilnehmer aus elf verschiedenen Gauverbänden um die Wette.

Den Gesamtsieg holte sich der Verein Peiting aus dem Lechgauverband. Zwar waren die Amerikaner etwas enttäuscht, dass sie nicht gewonnen haben. Aber nächstes Jahr werden sie wieder versuchen, sich mit ihrem Gauverband für den "Bayerischen Löwen" zu qualifizieren, um sich mit den "echten" Bayern zu messen.

Clara Schneider, ddp

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