Amish Amoklauf bei Pazifisten

Ein Attentäter hat in einer Schule der Religionsgemeinschaft Amish in den USA mehrere Kinder getötet. Die fundamentalistischen Christen sind eine Gemeinde, die - fern jeden technischen Fortschritts - unter ganz besonderen Bedingungen lebt.

Die Amish haben ihre Wurzeln in der Täuferbewegung des 16. Jahrhunderts. Im Jahre 1693 spalteten sie sich von den Mennoniten ab. Ihre Mitglieder emigrierten seit Anfang des 18. Jahrhunderts in die USA. Heute leben sie in rund zwanzig US-Bundesstaaten. Ihre Anhängerschaft zählt etwa 180.000 Menschen. Die Mehrheit von ihnen lebt in den Bundesstaaten Pennsylvania, Ohio und Indiana.

Die Amish legen großen Wert auf Familie, Gemeinschaft und Abgeschiedenheit von der Außenwelt. Sie lehnen die Benutzung fast jeder modernen Technik ab. Sie haben weder Elektrizität noch Telefone, sie fahren keine Autos und sind nicht an das Abwassersystem angeschlossen. Neuerungen werden nur nach sorgfältiger Überlegung akzeptiert. Ihr Leben wurzelt stark im Agrarischen. Die Gemeinschaft lehnt auch jegliche staatlichen Hilfen ab.

Die pazifistischen Amish tragen altmodisch anmutende Trachten. Ihre Kinder besuchen keine öffentlichen Schulen, sondern gehen zu privaten Amischen-Schulen, in denen Kinder jeden Alters in einem Raum sitzen und von jungen unverheirateten Frauen unterrichtet werden. Das Geld für den Unterhalt der Schulen und die Bezahlung der Lehrerinnen wird von den Eltern aufgebracht. Die Zeit zwischen dem Schulende und dem (möglichen und frei zu wählenden) Beitritt als Erwachsener in die Gemeinde wird "Rumspringa" genannt. In dieser Phase tolerieren die Eltern viele Freiheiten, die nach dem Beitritt nicht mehr geduldet werden.

Die Amish stammen überwiegend von südwestdeutschen Dialektsprechern und Deutschschweizern ab und sprechen untereinander einen Dialekt, der seinen Ursprung in der deutschen Mundart hat. Der Gottesdienst der Amish wird auf Deutsch gehalten, inder Schule lernen sie zudem Amerikanisch. Schulpflicht besteht nur bis zum 14. Lebensjahr.

Die Amish wahrten eine strenge Disziplin innerhalb ihrer Gemeinschaft und wurden deshalb zunehmend Ziel von Feindseligkeiten und Verfolgungen. Eine Mehrheit lebte im frühen 17. Jahrhundert im Elsass. Dieses Gebiet kam ab 1648 allmählich unter französische Kontrolle. Der König von Frankreich duldete jdeoch keine anderen Bekenntnisse neben der Römisch-Katholischen Kirche. Das führte zur ersten Auswanderunsgwelle zunächst in die reichsdeutschen Gebiete Mömpelgard (heute Montbéliard), Lothringen, Saarland und in die Pfalz. Der Großteil der Amischen wanderte später im 18. Jahrhundert nach Pennsylvania in die USA aus, weil sie dort vor Verfolgung sicher waren.

fok/dpa/AFP, mit Material von Wikipedia