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Situation in Kaliforniens Gefängnissen: Unmenschliches Leben hinter Gittern

Foto: Rich Pedroncelli/ AP

Haftbedingungen in Kalifornien Einsam, dunkel, unwürdig

Tausende Häftlinge in Kalifornien verbringen fast den gesamten Tag allein in ihrer winzigen, fensterlosen Zelle, sie dürfen nicht arbeiten und ihre Familien nur hinter einer Scheibe sehen. Das zeigt ein neuer Bericht von Amnesty International. Das Leben der Insassen sei "unmenschlich".

Isolationshaft in kalifornischen Gefängnissen, das bedeutet täglich 22,5 Stunden Einsamkeit in einer rund sieben Quadratmeter kleinen, fensterlosen Zelle. Das bedeutet, nur anderthalb Stunden aus diesem Raum zu entkommen - in einen kargen, winzigen Innenhof, der von sechs Meter hohen Mauern umgeben ist und dessen Plastikdach den Blick auf den Himmel versperrt. Isolationshaft bedeutet auch, Anwälte, Freunde und Verwandte nur hinter einer Glasscheibe zu sehen, regelmäßige Telefonate sind verboten.

Dies alles steht in einem Bericht von Amnesty International  (AI), der in New York vorgestellt wurde. Dafür haben Mitarbeiter mit ehemaligen und jetzigen Insassen gesprochen, die in den Gefängnissen "Pelican Bay" und "Corcoran" in Einzelhaft sitzen; außerdem mit ihren Eltern, Ehefrauen und Geschwistern. Das Ergebnis der Menschenrechtsorganisation: Die Haftbedingungen seien grausam, erniedrigend und unmenschlich.

AI-Angaben zufolge befinden sich derzeit 3000 Männer in den beiden Anstalten in "extremer Isolation". Über Jahre und Jahrzehnte hätten sie keine frische Luft, kein natürliches Licht, keinen direkten Kontakt zu Mitmenschen und vor allem: keine Hoffnung. Es gebe kaum Zugang zu Arbeit, Bildung oder Rehabilitationsprogrammen.

An physischen Probleme treten demnach besonders häufig Vitamin-D-Mangel und die Beeinträchtigung der Sehkraft auf. Zudem litten Insassen unter Gleichgewichtsstörungen, chronischem Asthma, Schlafstörungen und Gedächtnisverlust. "All dies sind permanente Beschwerden für die Betroffenen", heißt es in dem AI-Bericht.

Ein Ex-Häftling, der im Alter von 16 wegen bewaffneten Raubüberfalls verurteilt wurde, verbrachte sieben Jahre in Einzelhaft. Selbst danach werde er das Gefühl der Einsamkeit nicht mehr los, sagte er den Amnesty-Mitarbeitern. "Es hat sich angefühlt, als würde ich 24 Stunden am Tag stumm schreien", sagte ein anderer Insasse.

In keinem anderen US-Staat ist die Suizidrate bei Häftlingen höher als in Kalifornien, wie der AI-Bericht und die "Los Angeles Times"  übereinstimmend berichten. Von 2006 bis 2010 hätten sich durchschnittlich 34 Männer pro Jahr hinter Gittern getötet.

Der Bericht sei ein Wachruf über die brutale Behandlung von US-Gefangenen, sagte Amnesty-Direktorin Suzanne Nossel. "Dieses System könnte mit dem Schaden, den es den Individuen und der Gemeinschaft zufügt, eine sehr reale Gefahr für die Gesellschaft darstellen."

Amnesty stellt klare Forderungen an den US-Bundesstaat. Dieser solle Gefangene lediglich dann in Isolationshaft halten, wenn deren Verhalten die Sicherheit von Mithäftlingen gefährde. Viele der Insassen seien aber schon wegen kleinerer Vergehen oder Aufbegehrens in Isolationszellen. Zudem solle die Situation sämtlicher Häftlinge in Isolationshaft verbessert werden, indem beispielsweise mehr Zeit für körperliche Aktivitäten sowie regelmäßige Telefonate zugelassen werden.

Die kalifornischen Gefängnisverwaltung wehrte sich gegen die Vorwürfe. Die Haftanstalten würden der "nationalen Norm" entsprechen, sagte Terri McDonald von der Gefängnisbehörde Kaliforniens der "Los Angeles Times". "Sie sind sauber. Sie sind sicher." Und unmenschlich, das seien sie nicht.

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