Amoklauf von Winnenden Lehrerin erstreitet Entschädigung

Nach dem Amoklauf in Winnenden musste eine Lehrerin in vorzeitigen Ruhestand gehen. Sie klagte vor Gericht auf eine angemessene Entschädigung - und bekam diese nun zugesprochen.

Richter im Verwaltungsgericht in Stuttgart: Lehrerin erhält Recht
DPA

Richter im Verwaltungsgericht in Stuttgart: Lehrerin erhält Recht


Als Tim K. vor sechs Jahren mit einer Pistole in die Albertville-Realschule in der baden-württembergischen Kleinstadt Winnenden stürmte, konnte eine 35 Jahre alte Lehrerin sich und ihre Klasse gerade noch in Sicherheit bringen. Die Pädagogin überlebte den Amoklauf, bei dem Tim K. 15 Menschen und sich selbst erschoss - allerdings schwer traumatisiert. Seit 2013 ist sie im Ruhestand. Da die Frau sich aber nicht angemessen entschädigt fühlte, reichte sie Klage ein - und hat nun Recht bekommen.

Das Verwaltungsgericht Stuttgart verpflichtete das Land Baden-Württemberg dazu, der 35-Jährigen fortan 80 statt 71 Prozent Ruhegehalt zu zahlen sowie einmal 80.000 Euro. Der Amoklauf im März 2009 sei als "qualifizierter Dienstunfall" zu werten. Die Frau sei in Lebensgefahr gewesen und durch das damals erlittene Trauma heute dienstunfähig.

Das Regierungspräsidium hatte den Amoklauf später als Dienstunfall mit folgender "posttraumatischer Belastungsstörung" anerkannt. Jedoch gewährte das Landesamt für Besoldung und Versorgung der Lehrerin kein erhöhtes Unfallruhegehalt. Begründung: Es handele sich um keinen "qualifizierten Dienstunfall", da die Frau keiner besonderen Lebensgefahr ausgesetzt gewesen und nicht direkt angegriffen worden sei.

Dem hatte die Klägerin laut Gericht aber entgegengehalten, dass sie in Reichweite des Täters gewesen sei - und dieser jeden habe töten wollen, der ihm begegnete. Das Land kündigte an, das Urteil anzufechten.

kis/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.