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13. Oktober 2013, 21:11 Uhr

Kosten des Skandalbaus

Architekt bringt Tebartz-van Elst noch mehr in Bedrängnis

Nun bestätigt auch der Architekt der Limburger Bischofsresidenz: Franz-Peter Tebartz-van Elst wusste von Anfang an, wie teuer der Protzbau werden würde. Über die Kosten sei oft mit dem Bischof gesprochen worden. Zudem sei der Bau durchaus planmäßig verlaufen.

Frankfurt am Main/München/Limburg - Seit Sonntagmorgen weilt Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst in Rom. Am frühen Morgen, gegen 6.30 Uhr, startete er mit einem Flugzeug der Billig-Airline Ryanair vom Flughafen Frankfurt-Hahn Richtung Vatikan, wo er letztendlich auch mit Papst Franziskus über seine Zukunft sprechen will. Dass am Wochenende fast im Stundentakt neue brisante Vorwürfe gegen den 53-Jährigen im Zusammenhang mit dem Bau der Limburger Bischofsresidenz auftauchten, wird das Gespräch für Tebartz-van Elst nicht angenehmer werden lassen.

Nun hat auch der Architekt des Skandalbaus den Bischof schwer beschuldigt. Er habe als Bauherr von Beginn an gewusst, "was da für Kosten auf ihn zukommen", sagte Michael Frielinghaus der "Süddeutschen Zeitung" ("SZ"). Der Architekt bezifferte die Kosten, über die Tebartz-van Elst Kenntnis hatte, gegenüber der "SZ" auch noch einmal explizit: 31 Millionen Euro. Er habe sich bereits bei einer Pressekonferenz im Dezember 2010 darüber gewundert, dass die Summe mit 5,5 Millionen Euro - und damit deutlich zu niedrig - angegeben worden sei.

Der SPIEGEL hatte bereits am Samstag berichtet, dass Tebartz-van Elst von der Kölner Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG regelmäßig über alle angelaufenen Kosten in Aufstellungen informiert wurde.

Von 147 auf 2000 Quadratmeter

Zudem verschleierte der Bischof einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" ("FAS") zufolge die Kosten möglicherweise systematisch, indem er die Summe in Einzelprojekte stückelte, die jeweils unter der Grenze von fünf Millionen Euro lagen, ab der der Vatikan zwingend über Bauvorhaben informiert werden muss.

Die "FAS" veröffentlichte auf ihrer Website zudem Teile der Planungs- und Kostenunterlagen über den Limburger Bau - und schildert ausführlich schier unglaubliche Details über Sonderwünsche des Bischofs, die die Kosten extrem in die Höhe trieben. So seien aus den ursprünglich in der ersten Grobplanung angepeilten 147 Quadratmetern des Bischofshauses am Ende 2000 geworden.

Tebartz-van Elst habe beispielsweise angeordnet, nachträglich Oberlichter in das Dach über einem Konferenzsaal einzulassen, obwohl ihn der Bauleiter vor starkem Sonneneinfall warnte. Tatsächlich würden die Oberlichter nun von Jalousien verdunkelt. Für sein Arbeitszimmer habe der Bischof laut "FAS" eigens Sicherheitsglas aus Washington importieren lassen, weil ihm das in Europa erhältliche nicht sicher genug erschienen sei.

In den von der "FAS" veröffentlichten Dokumenten finden sich eine Reihe weiterer Sonderwünsche. So wurde etwa ab dem 22. August 2011 das Beschallungskonzept der Bischofsresidenz durch "Ausstattung zusätzlicher Innen- und Außenräume mit unsichtbaren deckenflächenintegrierten Lautsprechersystemen" erweitert.

"Der Bau verlief planmäßig"

Für die Zeit ab dem 17. August 2012 sind "bauliche Anpassungen und Umbauten im bereits fertiggestellten Haus" vermerkt, ausdrücklich "auf Wunsch des Bauherrn", zudem werde die gesamte Beleuchtung geändert. Und noch eine Änderung war wohl notwendig: "Verlegung der Dachluke wegen Aufstellung eines antiken Schrankes".

Die zahlreichen, oft erst nach bereits fertiggestellten Bauabschnitten geäußerten Sonderwünsche des Bischofs wurden der "FAS" zufolge auch deshalb teurer, weil mehrfach wieder von vorne geplant und abgestimmt werden musste. Tatsächlich ist in einer Aufstellung der vorgenommenen Umplanungen und ihrer Folgen häufig notiert: "Koordination gestörter Rohbauablauf".

Das widerspricht allerdings einer anderen Äußerung von Architekt Michael Frielinghaus gegenüber der "SZ", die ungefähre Höhe der Kosten habe nie außer Frage gestanden. Es habe gar keine Kostenexplosion gegeben: "Der Bau verlief planmäßig, es gab kaum Überraschungen."

fdi/dpa

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