Demo in Argentinien Zehntausende protestieren gegen Frauenmorde

In mehreren Städten Argentiniens sind Demonstranten auf die Straße gegangen, sie fordern ein Ende der Macho-Kultur und der Gewalt gegen Frauen. Unterstützung kommt unter anderem von Staatschefin Kirchner und Fußballstar Lionel Messi.

AFP

Es sind grausame Taten, die in Argentinien eine Debatte über die Gewalt gegen Frauen entfacht haben: Ein Mann trennte seiner Ex-Frau vor den Augen ihrer Kinder die Kehle durch; eine schwangere 14-Jährige soll von ihrem 16-jährigen Ex-Freund totgeschlagen und dann mit Hilfe von Angehörigen im Garten der Familie vergraben worden sein; auf der Terrasse eines Cafés wurde am hellichten Tag eine Frau von ihrem Ex-Freund getötet.

Als Reaktion sind in Argentinien Zehntausende Menschen auf die Straße gegangen: In der Hauptstadt Buenos Aires schrieben sie auf eine Papierwand Hunderte Namen von Frauen, die Opfer von Gewalt geworden sind. Die Demonstranten hinterließen auf der Papierwand Handabdrücke aus roter Farbe. Das Motto lautete "NiUnaMenos", übersetzt: keine weniger.

Argentiniens Staatschefin Cristina Kirchner unterstützte die Proteste. "Die Frau wird zum Objekt gemacht und es wird daher immer jemanden geben, der meint, wenn er sie nicht besitzen kann, kann er sie kaputtmachen", schrieb Kirchner auf ihrem Twitter-Account:

Auch der argentinische Fußballstar Lionel Messi zeigte sich solidarisch. "Es reicht mit den Frauenmorden. Von Barcelona aus schließen wir uns den Argentiniern an, um laut 'NiUnaMenos' zu rufen", schrieb der Spieler des FC Barcelona auf seiner Facebook-Seite. Auch Studentenorganisationen, mehrere politische Parteien und die katholische Kirche unterstützten die Proteste.

2012 wurde im argentinischen Strafrecht Frauenmord als verschärfter Tatbestand eingestuft. Während Mord mit zwölf bis 25 Jahren Gefängnis bestraft wird, ist für einen Frauenmord lebenslange Haft vorgesehen. Laut der Organisation Casa del Encuentro wurden im vergangenen Jahr mindestens 277 Frauen in Argentinien ermordet - bei einem Großteil der Taten sei der Lebenspartner der Täter gewesen. In diesem Jahr seien bisher 140 Frauen getötet worden.

aar/AFP/dpa

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Esib 04.06.2015
1. Ach ja?
---Zitat--- 2012 wurde im argentinischen Strafrecht Frauenmord als verschärfter Tatbestand eingestuft. Während Mord mit zwölf bis 25 Jahren Gefängnis bestraft wird, ist für einen Frauenmord lebenslange Haft vorgesehen. ---Zitatende--- Und wo genau ist jetzt der Unterschied zwischen einem Mord an einem Mann oder einem Jungen und einem Mord an einer Frau oder einem Mädchen? Wie kann es sein, dass für ein und dasselbe verabscheuungswürdige Verbrechen geschlechtsspezifisch ein unterschiedliches Strafmaß gibt und das auch noch ernsthaft als etwas positives dargestellt wird? Aber das ist sicherlich Gleichberechtgung...
pebcac 04.06.2015
2. Mordrate
Die Mordrate in Argentinien beträgt 5,5 Morde pro 100000 Einwohner und Jahr. Bei ~40 Mio Einwohnern sind das ~2200 Morde jedes Jahr. Wenn pro Jahr weniger als 300 Frauen in Argentinien ermordet werden, scheint Argentinien mit einer Frauenmordrate von 0,7 ein sehr sicheres Land für Frauen zu sein.
pebcac 04.06.2015
3. Übrigens
In Argentinien gibt es pro Jahr 500000 Abtreibungen (Deutschland 100000 bei doppelter Einwohnerzahl) Die Pille gibt es in Argentinien gratis. http://www.dw.de/das-schweigen-über-abtreibungen-brechen/a-17155951 http://www.berliner-zeitung.de/archiv/die-pille-gibt-es-gratis-in-argentinien--abtreibungen-aber-sind-verboten--sie-finden-trotzdem-statt---illegal-und-mit-allen-gefahren-und-die-frauen-verbluten,10810590,10741896.html
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