Nach Streichung aus dem Lehrplan Holocaust-Comic »Maus« wird in Tennessee zum Bestseller

Der Zeichner Art Spiegelman schildert in seinem preisgekrönten Comic »Maus«, wie seine Eltern Auschwitz überlebten. Eine US-Schulbehörde verbannte das Werk wegen »Obszönitäten« vom Lehrplan. Jetzt wehren sich Fans und Buchhändler.
Holocaust-Comic Maus: 1992 mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet

Holocaust-Comic Maus: 1992 mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet

Foto: Thomas Lehne / DER SPIEGEL

Vor einigen Wochen strich die Schulbehörde des Bezirks McMinn im US-Bundesstaat Tennessee den Holocaust-Comic »Maus« vom Lehrplan: Das Buch enthalte eine »unnötige Verwendung von Obszönitäten und Nacktheit, Darstellung von Gewalt und Suizid«, hieß es zur Begründung.

Das Werk des Autors Art Spiegelman ist ein Weltbestseller und wurde 1992 mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet. Nachdem es in McMinn aus dem Unterricht verbannt wurde, wollen Comichändler nun Schülern und Schülerinnen ermöglichen, es trotzdem zu lesen. Ryann Higgins aus Sunnyvale in Kalifornien bot bei Twitter an, bis zu 100 Ausgaben an Familien in McMinn zu spenden: »Schickt mir einfach eure Adresse!«, schrieb er vor einer Woche.

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Sein Angebot wurde mehr als 3700-mal retweetet und bekam mehr als 12.700 Likes. »Unser Telefon klingelt unaufhörlich mit endloser Unterstützung«, sagte Higgins dem Sender CNN. Die wenigen Exemplare von »Maus«, die er im Laden vorrätig hatte, seien sofort vergriffen gewesen, er habe bereits nachbestellt.

Er selbst habe das Buch als Teenager zum ersten Mal gelesen und sei »ziemlich überwältigt« gewesen. »Dies ist kein Buch, in dem es nur um Pornografie und Gewalt geht«, sagte er. Vielmehr sei es geeignet, damit Kinder etwas über die Schrecken des Holocausts lernten.

In »Maus« schildert Spiegelman die Geschichte seiner Eltern, die während des Zweiten Weltkriegs nach Auschwitz-Birkenau verschleppt wurden. Jüdinnen und Juden zeichnete er als Mäuse, die Deutschen als Katzen. Seine Eltern überlebten den Holocaust, ihr ältester Sohn starb.

Auch ein Geschäft aus Knoxville in Tennessee will dafür sorgen, dass »Maus« weiter gelesen wird: Nirvana Comics kündigte an, das Buch an Schüler zu verleihen.

Erst ging es dabei nur um zehn Stück, doch schnell seien die Pläne größer geworden: »Das Programm hat sich von einer kleinen Leihbücherei in unserem Geschäft zu einem Punkt entwickelt, an dem wir in der Lage sein werden, weit über 1.000 Bücher im ganzen Land zur Verfügung zu stellen«, sagte Betreiber Rich Davis CNN. Eine Fundraising-Kampagne  hat bereits fast 99.000 Dollar für das Projekt zusammengebracht.

Davis fordert, dass das Buch »Pflichtlektüre für jeden« sein sollte. »›Maus‹ ist nicht die einzige Möglichkeit, Kindern etwas über den Holocaust beizubringen, aber ich denke, es ist die effektivste und zugänglichste«, sagte er. »Die Bilder im Buch sind bei Weitem nicht so verstörend wie die Bilder aus Auschwitz oder anderen Konzentrationslagern«.

bbr
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