Rückschlag im Kampf gegen Corona NRW berichtet von schwindender Akzeptanz für AstraZeneca-Impfstoff

Impfreaktionen und eine verringerte Wirksamkeit haben die Corona-Vakzine von AstraZeneca in Verruf gebracht. Nordrhein-Westfalens Regierung betrachtet die Entwicklung »mit Sorge«.
Ampulle des Corona-Impfstoffs von AstraZeneca: »Einzelne Hinweise erhalten«

Ampulle des Corona-Impfstoffs von AstraZeneca: »Einzelne Hinweise erhalten«

Foto: Thomas Kienzle / AFP

In Nordrhein-Westfalens Bevölkerung wächst offenbar die Skepsis gegenüber dem Corona-Impfstoff von AstraZeneca. Das bestätigte die Landesregierung dem SPIEGEL. Das Gesundheitsministerium in Düsseldorf teilte mit, dass man »einzelne Hinweise erhalten« habe, wonach »die Impfbereitschaft mit Blick auf AstraZeneca bislang tendenziell verhalten« sei. Das Ministerium »betrachtet dies mit Sorge«, erklärte eine Sprecherin.

Die AstraZeneca-Vakzine ist in Deutschland nur für unter 65-Jährige zugelassen. Zuletzt brachten Berichte über Nebenwirkungen und eine verringerte Wirksamkeit im Vergleich zu anderen Impfstoffen die Vakzine in Verruf. Beim Rettungsdienst in Dortmund musste sich rund ein Viertel der Beschäftigten nach der Impfung krankmelden. In mehreren Krankenhäusern in Niedersachsen wurden Impfungen mit der AstraZeneca-Vakzine am Dienstag vorübergehend gestoppt. Bei ungewöhnlich vielen Mitarbeitern hatte es zuvor Impfreaktionen gegeben.

Die Sprecherin des NRW-Gesundheitsministeriums teilte allerdings auch mit: »Der zugelassene Impfstoff von AstraZeneca ist kein Impfstoff zweiter Klasse.« Er zeige »eine gute Wirksamkeit«. Die auftretenden Nebenwirkungen seien ein Zeichen für die gewünschte Gegenreaktion des Körpers. Aufgrund der »derzeit begrenzten Impfmengen« bestehe »leider noch nicht die Möglichkeit, sich den Impfstoff auszusuchen«. Grundsätzlich stehe es jedem frei, auf einen anderen Impfstoff zu warten, wenn dieser zu einem späteren Zeitpunkt ausreichend zur Verfügung stehe.

Drosten zeigt sich deutlich optimistischer

Der Virologe Christian Drosten wiederum hält grundsätzliche Bedenken gegen den AstraZeneca-Impfstoff für unbegründet und ist für einen breiten Einsatz des Präparats. Er sehe keine Veranlassung, die Vakzine aus schwedisch-britischer Produktion in Deutschland nicht zu spritzen, sagte der Charité-Virologe im Podcast »Coronavirus-Update« bei NDR-Info. Wenn er sich die öffentliche Diskussion über diesen Impfstoff anschaue, habe er den Eindruck, dass vieles falsch verstanden worden sei.

Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) unterstrich, dass der Impfstoff von AstraZeneca sicher sei. Er selbst würde sich impfen lassen, sagte er dem TV-Sender RTL. »Ausdrücklich auch mit AstraZeneca. Das ist ein sicherer und wirksamer Impfstoff.«

Der Impfstoff von AstraZeneca hat eine geringere Wirksamkeit als die beiden anderen in Deutschland zugelassenen Vakzinen von Biontech/Pfizer und Moderna. Kürzlich wurde zudem bekannt, dass das AstraZeneca-Präparat bei einer zunächst in Südafrika entdeckten Variante wohl weniger vor milden und mittelschweren Verläufen von Covid-19 schützt – ob das auch für schwere Verläufe gilt, ist bislang unklar, weil es unter den vergleichsweise jungen Teilnehmenden der entsprechenden Studie keinen einzigen schweren Krankheitsverlauf gab. Drosten sieht bei der Studie jedoch einige Einschränkungen.

Zudem hält er für Deutschland insbesondere die Variante aus Großbritannien (B.1.1.7) für relevant, wie er erläuterte. Deren Anteil wachse hierzulande, ebenso wie in anderen Ländern. Neue Daten vom Robert Koch-Institut dazu werden in dieser Woche erwartet. B.1.1.7 bedeute aber laut einer Studie keinen Nachteil für die Schutzwirkung des AstraZeneca-Impfstoffs, so Drosten.

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Dennoch sprach sich der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, wegen der geringeren Wirksamkeit in der »Rheinischen Post« gegen eine AstraZeneca-Impfung bei medizinischem Personal aus – die Probleme ließen sich nicht »wegdiskutieren«.

Drosten sagte hingegen: »Wir müssen alles dransetzen, jetzt so schnell wie möglich in der Breite zu impfen.« Die verfügbaren Impfstoffe seien extrem gut gegenüber dem, was man erwarten konnte. »Es gibt immer irgendwo ein Haar in der Suppe, und manche schauen da mit dem Vergrößerungsglas drauf.«

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, sagte der »Rheinischen Post«: »Alle Impfstoffe haben ein reguläres Zulassungsverfahren durchlaufen und sind hochwirksam.« Für die nächsten Monate bleibe absehbar, dass nicht ausreichend Impfstoffe zur Verfügung stünden. »Deshalb muss priorisiert werden. Solange das so ist, kann es keine Wahlmöglichkeiten geben.«

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Textfassung hieß es unter Berufung auf die dpa, das AstraZeneca-Präparat schütze bei der zunächst in Südafrika entdeckten Virusvariante wohl weniger vor milden und schweren Verläufen, tatsächlich geht es jedoch um milde und mittelschwere Verläufe. Zudem hieß es unter Berufung auf die saarländische Gesundheitsministerin Monika Bachmann, dass bei einer »Sonderimpfung im medizinischen« Bereich 54 Prozent von 200 zur Impfung angemeldeten Personen nicht erschienen seien, ohne den Termin abzusagen. Erst später stellte sich heraus, dass das Problem vielmehr bei der Terminvergabe gelegen hatte. Wir haben beide Textstellen überarbeitet.

Mit Material der dpa
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