Wirrungen um Unfall Das Wildschwein, das angeblich ein Biber war

Ein großer Hamster? Ein Wildschwein? Oder doch ein Biber? Bei einem Unfall in Bayern sind sich Polizei und Autofahrer uneins, um was für ein Tier es sich gehandelt haben könnte. Ein Klärungsversuch.

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In Bayern nimmt ein an sich schon kurioser Wildunfall eine skurrile Wendung: Ein in der Nacht auf Montag angefahrener "großer Hamster", der laut Polizei ein Wildschwein war, könnte am Ende in Wahrheit ein Biber gewesen sein. So berichtet es zumindest die "Süddeutsche Zeitung".

Die Polizei hatte zunächst mitgeteilt, ein Taxifahrer habe seiner Darstellung nach einen "großen Hamster mit sehr großen Zähnen" angefahren. Das hätte er jedoch nie ernsthaft gedacht, sagte der Mann nun. Und ein Wildschwein, wie es die Polizei dargestellt hatte, sei es auch nicht gewesen.

Er habe der Zeitung sogar ein Beweisfoto des toten Tieres am Straßenrand geliefert - und das zeige einen Biber. Wie ist das alles zu erklären?

Vier Möglichkeiten, was passiert sein könnte:

Möglichkeit 1

  • Der Taxifahrer hat sich einen Scherz erlaubt oder war vielleicht doch nicht ganz so nüchtern wie von der Polizei angenommen. Der Vorfall veranlasste das Präsidium jedenfalls dazu, auf seiner Facebookseite eine Fotocollage eines Hamsters und eines Wildschweins zu veröffentlichen. Schön, wenn man sich in dem harten Job auch mal lustig machen kann.

Der Taxifahrer wehrte sich nun allerdings gegen den Vorwurf mangelnder Biologie-Grundkenntnisse. Doch die Polizei blieb zunächst bei ihrer Version: "Die Beamten haben vor Ort ein Wildschwein gefunden", sagte ein Sprecher der Polizei Oberbayern Nord dem SPIEGEL am Vormittag.

Möglichkeit 2

  • Laut "Süddeutscher Zeitung" ist unklar, ob Polizei und Taxifahrer jemals gleichzeitig am Unfallort waren. Die Beamten hätten den Taxifahrer allerdings gebeten, zur Wache zu kommen. Vielleicht entstand die Verwirrung schlichtweg durch ein Missverständnis bezüglich des Unfallorts: Haben die Ermittler an anderer Stelle ein angefahrenes Wildschwein gefunden? Die Polizei hält diesen Ablauf für möglich, aber eher für unwahrscheinlich. "Ich gehe davon aus, dass die Kollegen an der richtigen Unfallstelle waren", sagte der Sprecher.

Möglichkeit 3

  • In den Wäldern Oberbayerns läuft ein Fabelwesen umher, eine Wildschwein-Biber-Kreuzung, die zufälligerweise große Ähnlichkeit mit einem Hamster aufweist. Na gut, das glauben wir selbst nicht, aber vier Möglichkeiten sind schöner als drei.

Möglichkeit 4 (und wahrscheinlich die Auflösung)

  • Der Leiter der oberbayerischen Polizei-Pressestelle schilderte den Verlauf der Geschichte Stunden später schließlich etwas anders als seine Kollegen: Die Beamten seien nie vor Ort gewesen. Sie hätten bei der Begutachtung des Taxis an der Wache einen Zusammenstoß mit einem Wildschwein vermutet, sagte er dem SPIEGEL. Der Taxifahrer habe dieser Annahme aber widersprochen und von einem "großen Hamster" berichtet. Der zuständige Jagdverantwortliche, der mit der Suche nach dem Tier beauftragt wurde, habe den Kadaver aber nicht finden können - weder den eines Wildschweins noch den eines Hamsters. Deshalb wurde ein Wildschwein als Unfallopfer in die Polizeimeldung aufgenommen und der Taxifahrer verspottet, ehe er mit dem Fotobeweis seinen Ruf retten wollte.
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