Auftritt im Bikini Miss Indonesien droht Gefängnis

Der indonesischen Schönheitskönigin Nadine Chandrawinata steht nach dem Miss-Universum-Wettbewerb Ärger ins Haus. Ihr Auftritt im Bikini hat der jungen Frau in ihrem Heimatland eine Anzeige eingebracht. Eine muslimische Gruppe hält den Zweiteiler für unanständig und alarmierte die Polizei.


Jakarta - "Wir haben sie und vier andere, die an ihrer Teilnahme an dem Wettbewerb zur Miss Universum beteiligt waren, wegen vorsätzlicher Unanständigkeit angezeigt", sagte ein Sprecher der "Islamischen Verteidigungsfront" (FPI). Die Gruppe habe offizielle Beschwerde gegen Nadine Chandrawinata bei der Polizei eingereicht. Nach indonesischem Recht muss die Polizei nun Ermittlungen einleiten, auch wenn der Fall letztlich möglicherweise doch nicht vor Gericht landet.

Miss Indonesien, Nadine Chandrawinata
AP

Miss Indonesien, Nadine Chandrawinata

"Ihr vulgäres Auftreten bei 'Miss Universum' ist eine Beleidigung für indonesische Frauen", sagte der Sprecher, der auch Anwalt der FPI ist. Was Chandrawinata getan habe, widerspreche allen Vorstellungen von Würde in seinem Land. Es sei aber auch möglich, dass die junge Frau nicht voll verantwortlich für ihre Handlungen sei, sondern Sponsoren die treibende Kraft gewesen seien. "Ich fürchte, Nadine ist nur ein Opfer des Ehrgeizes anderer", sagte er. Seinen Angaben zufolge drohen Miss Indonesien nun bis zu sechs Jahre Gefängnis.

Ein Erlass der Regierung unter Präsident Suharto untersagte einst indonesischen Frauen die Teilnahme an Schönheitswettbewerben. Offiziell ist das Verbot noch in Kraft, wird aber seit 1998, als Suharto entmachtet wurde, offiziell nicht mehr verfolgt. Indonesien hat die größte muslimische Gemeinde der Welt - 85 Prozent der 220 Millionen Einwohner sind Muslime.

Obwohl die meisten Gruppen als gemäßigt gelten, haben Hardliner in letzter Zeit immer wieder für Aufsehen gesorgt. Im April etwa hatte die FPI Protestmärsche gegen den Verkauf der Männermagazins "Playboy" in Indonesien organisiert, bei denen es zeitweise auch zu Gewalt und Vandalismus kam.

Nadine Chandrawinata schied bei dem Wettbewerb am Sonntag in Los Angeles bereits in der ersten Runde aus. Den Titel "Miss Universum" holte die 18-jährige Zuleyka Rivera Mendoza aus Puerto Rico.

ffr/reuters



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