Neue Buschbrände Australien fordert 240.000 Bürger zur Evakuierung auf

Nach einer Atempause droht im Süden Australiens eine neue Eskalation: Fast eine Viertelmillion Menschen soll sich laut Behörden in Sicherheit bringen. Premier Morrison beklagt sich derweil über die Klimadebatte.
Verbrannte Landschaft auf Kangaroo Island, Bundesstaat South Australia: Das Feuer lässt wenig übrig

Verbrannte Landschaft auf Kangaroo Island, Bundesstaat South Australia: Das Feuer lässt wenig übrig

Foto: David Mariuz/ EPA-EFE/ REX

Ein paar Tage hatten die Bewohner der von den Buschbränden am härtesten betroffen Gebieten in Australiens Südosten Zeit zum Innehalten. Für viele war es auch traurige Gelegenheit, die Schäden zu begutachten, die die Feuer bisher angerichtet haben. Nun jedoch scheint die Phase mit niedrigeren Temperaturen und schwächerem Wind vorbei. Am Freitag rechnen die Behörden mit einer neuen Verschärfung der Lage.

"Wir haben Warnungen rausgeschickt, die an 240.000 Leute gingen", sagte Andrew Crisp, der die Rettungseinsätze im Bundesstaat Victoria koordiniert, dem Sender ABC. "Wer fliehen kann, sollte fliehen. Niemand sollte sich in abgelegenen und bewaldeten Gegenden aufhalten."

Die Angst vor einem weiteren "Megafeuer"

In vielen Gebieten werden die Temperaturen wieder über 40 Grad steigen. Dazu, noch problematischer, wird auch der Wind auffrischen und damit die Feuer wieder anfachen. Böen bis zu 90 Stundenkilometer sind angesagt. Es bestehen zudem Sorgen, dass sich an der Grenze der Bundesstaaten New South Wales und Victoria zwei Großbrände zu einem "Megafeuer" vereinen könnten.

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Die Feuerwehrleute hatten die vergangenen Tage, in denen teils sogar ein wenig Regen fiel, mit dem Ausbau von Brandschneisen verbracht. Bisher haben diese Gegenmaßnahmen aber angesichts der Größe und Intensität der Buschbrände nur wenig Wirkung gezeigt.

Noch immer brennen mehr als 150 Feuer im ganzen Land, ein erheblicher Teil davon unkontrolliert. Seit dem Ausbruch im Oktober verbrannten mehr als zehn Millionen Hektar Land, das entspricht ungefähr der Größe von Bayern und Baden-Württemberg zusammen. Bisher kamen 27 Menschen ums Leben, fast 2000 Häuser wurden zerstört. Katastrophal sind auch die Auswirkungen auf die Natur, laut Schätzungen könnten rund eine Milliarde Tiere getötet oder verletzt worden sein.

Und die Feuersaison dürfte noch bis in den März hinein weitergehen. Premierminister Scott Morrison sagte am Freitag: "Wir sind weit entfernt vom Ende der Krise und dieser Katastrophe."

Der Premier wettert im Radio gegen die Klimadebatte

Morrison erklärte zudem, vor der Küste von New South Wales würden zwei Kriegsschiffe bleiben, um bei der Evakuierung von Städten helfen zu können, falls dies nötig werde. In dem Staat wurden allein am Freitagmorgen 134 Brände registriert, von denen 53 nicht eingedämmt waren. Mehrere Abschnitte der fünf Autobahnen des Staats waren gesperrt.

Das Amt für Wetterkunde hatte am Donnerstag mitgeteilt, dass es nie auf dem Kontinent wärmer und trockener gewesen war als im vergangenen Jahr. Dabei reicht der Vergleichszeitraum bis 1910 zurück. Der Zusammenhang zwischen den Bränden, den geringen Niederschlägen und den hohen Temperaturen sei deutlich.

Trotzdem weigert sich die Regierung unter Morrison, an der Klimapolitik des Landes etwas zu ändern. In mehreren Großstädten des Landes sind für den Freitag Demonstrationen gegen den kohlefreundlichen Kurs der konservativen Regierung angekündigt. In einem Radiointerview hatte Morrison noch am Freitag erklärt, wie "enttäuscht" er sei, dass Klimapolitik und die Buschbrände in der öffentlichen Debatte "zusammengeworfen" würden.

jok/dpa/Reuters