Kritik an australischer Flüchtlingspolitik Unbekannte zerstören umstrittenes Graffiti

"(Nicht) Willkommen in Bondi", schrieb Luke Cornish über sein Mauerbild, das Australiens Umgang mit Migranten anprangert. Jetzt wurde es von Unbekannten überpinselt. Der Künstler nahm es mit Humor.

Surfparadies Bondi Beach in Sydney
MICK TSIKAS/ EPA-EFE/ REX

Surfparadies Bondi Beach in Sydney


Der Australier Luke Cornish - kurz E.L.K. - ist ein renommierter Streetart-Künstler. Am berühmten Bondi Beach in Sydney stellt er gerade ein Graffiti aus, das Kontroversen hervorruft. Darauf zu sehen sind 24 martialisch aussehende, schwer bewaffnete Grenzsoldaten. Der sarkastische Titel des Mauergemäldes lautet: "(Not) Welcome to Bondi", (Nicht) Willkommen in Bondi.

Die 24 Soldaten repräsentierten die Zahl der Suizide, die Migranten seit 2010 in Australiens Flüchtlingslagern begangen hätten, erläuterte der Künstler auf Instagram. Die Zustände in den Auffangzentren des Landes sind Menschenrechtsaktivisten seit Langem ein Dorn im Auge.

Der Stadtrat hatte das Graffiti in Auftrag gegeben - als Ergänzung zu einer Einzelausstellung des Künstlers im Bondi Beach Pavilion. Doch Cornishs Kritik an der Flüchtlingspolitik seines Heimatlandes kam nicht bei allen gut an.

Seit Fertigstellung des Werks am 26. Juli gab es Forderungen, es zu entfernen. Der Stadtrat votierte dagegen - jetzt haben Unbekannte zu weißer Farbe gegriffen und Cornishs Werk einfach überpinselt. Die Polizei ermittelt, derzeit werden Aufnahmen von Überwachungskameras am Tatort analysiert.

Cornish nahm den Übergriff mit Humor und postete auf seinem Instagram-Account eine Collage mit der weißen Wand und dem legendären TV-Künstler Bob Ross, der Hobbymalern viele Jahre lang die Grundtechniken der Malerei beibrachte und eine riesige Fangemeinde hatte.

Bondi Beach ist einer der berühmtesten Strände des Landes. Ein liberaler Stadtrat hatte das Kunstwerk bei Facebook als von Grünen- und Labor-Stadträten verursachten "Fehlschlag" bezeichnet, der Touristen abschrecken könne.

Der Initiator einer Petition gegen das Graffiti, Travis Russell, sagte im Radio, die Darstellung von Waffen sei generell gefährlich und in Bondi Beach besonders unangebracht: "Es ist ein Ort mit einem hohen Anteil jüdischer Anwohner, wo Kinder jeden Tag an Männern mit Gewehren vorbeilaufen müssen, um zur Schule zu kommen", sagte er ABC Sydney Radio. Dennoch grenzte er sich ab von "Vandalen", die die Sache selbst in die Hand nähmen.

Der Verfasser einer anderen Petition, Andrew Worssam, lobte das Kunstwerk als unbequem und mutig: "Kunst sollte nicht versteckt werden, nur weil man nicht damit einverstanden ist - das ist etwas, was totalitäre Regime tun."

ala



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