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23. November 2018, 07:58 Uhr

Hotdog-Streit in Australien

Arme Würstchen

Ein Interview von

Wie sieht ein richtiger Hotdog aus: mit Zwiebeln unter oder über der Wurst? In Australien ist ein großer Streit entbrannt, sogar die Regierung schaltet sich ein. Ein Anruf im Hotdog-Mutterland Dänemark.

Seit Wochen belastet ein Thema die australische Volksseele schwer: Müssen Zwiebeln auf Hotdogs aus Sicherheitsgründen unter statt über der Wurst liegen? Nach einem entsprechenden Vorstoß einer Baumarktkette, die damit an Würstchenständen vor ihren Geschäften das Ausrutschen auf dem Gemüse verhindern will, schaltete sich selbst der neue Premierminister Scott Morrison ein.

Auf die Frage eines Journalisten mühte sich Morrison ein diplomatisches "Ob oben oder unten, ich werde immer Würste mit Brot kaufen" ab.

Die Stände vor den Bunnings-Baumärkten werden laut CNN oft von Wohltätigkeitsorganisationen betrieben. Was aber ist dran an der Anweisung des Baumarkts, die so gar nicht nach do it yourself klingt?

Fanny Posselt muss es wissen: Die Dänin bereist mit einem fahrbaren Hotdog-Stand seit 15 Jahren zu wohltätigen Zwecken viele Länder der Erde - weiter als ihrer sei noch kein Wurststand gereist, sagt Posselt. Ein Anruf bei ihr in Aarhus in Dänemark, dem heimlichen Heimatland des Hotdogs.

SPIEGEL ONLINE: Frau Posselt, Sie haben mit einem Wurststand die ganze Welt bereist. Was sagen Sie zur australischen Debatte, ob die Zwiebeln über oder unter der Wurst liegen müssen?

Fanny Posselt: Unglaublich, dass diese Frage solch diplomatische Höhen erreicht, der Premierminister danach gefragt wird und ein Land womöglich bestimmt, wo die Zwiebeln zu liegen haben. Mit Blick auf die in Australien geäußerten Sicherheitsbedenken, man könne auf den Zwiebeln ausrutschen, kann ich aus Erfahrung Entwarnung geben. Humoristisch betrachtet könnte man sagen: Wenn man wie in Dänemark ohnehin fast immer mit dem Fahrrad zum Hotdog-Stand fährt, ist das Risiko des Ausrutschens gering.

SPIEGEL ONLINE: Sie finden also, es wäre übertrieben, die Zwiebeln unter die Würstchen zu packen?

Posselt: Zumindest kann ich mich trotz aller Unterschiede an kein Land erinnern, in dem außer Dressing noch etwas anderes unter die Wurst gelegt worden wäre. In Dänemark legen wir ganz oben auf den Hotdog neben frischen und gerösteten Zwiebeln auch noch eingelegte Gurkenscheiben.

SPIEGEL ONLINE: …Damit es gesünder wird?

Posselt: Nein, Gurken sind zwar Gemüse, aber es geht darum, dass die klebrigen Gurken die Zwiebeln festhalten sollen. Nicht der Sicherheit wegen, sondern aus praktischen Gründen. Unter der Wurst würden die gerösteten Zwiebeln auch weich werden. Aber ich weiß gar nicht, ob es diese überhaupt zu Hotdogs in Australien gibt. Als ich dort war, habe ich sie jedenfalls nirgends gesehen.

SPIEGEL ONLINE: Wenn Sie noch nie einen Hotdog mit Zwiebeln unter der Wurst probiert haben, wissen Sie aber auch nicht, ob sich dadurch der Geschmack verändert, oder?

Posselt: Nein, wir stehen für die traditionelle Version, wie wir sie in Dänemark seit fast hundert Jahren haben.

SPIEGEL ONLINE: Die dänische Hotdog-Kultur schwächelt aber, seit dort "Franske Hotdogs" ("Französische Hotdogs") populär sind. Wie stehen Sie zu diesem Wurstsnack in einem ausgehöhlten statt aufgeschnittenen Brötchen, das sich so fast ohne Kleckern essen lässt?

Posselt: Der traditionelle dänische Hotdog besteht aus geröstetem Brötchen, Würstchen, Senf, Remoulade, Ketchup, gerösteten und frischen Zwiebeln und eingelegten Gurkenscheiben. Mit ihm werden sämtliche fünf Grundgeschmacksrichtungen des Menschen angesprochen: sauer, süß, salzig, bitter und Umami. Sind alle vertreten, gilt ein Essen geschmacklich als vollständig. Die andere in Dänemark populäre Variante kann man zwar leichter halten und verliert nichts, aber dabei gibt es auch keine Zwiebeln.

SPIEGEL ONLINE: In Australien soll mit der neuen Regel nun gerade der Verlust von Zwiebeln verhindert werden, indem sie unter die Wurst kommen.

Posselt: Es stimmt schon, dass man beim Essen eines Hotdogs immer etwas von den Zwiebeln verliert, deshalb nehme ich auch immer etwas mehr davon. Das gehört aber zu unserer Wurststand-Kultur dazu. Sie kennt keine Klassenunterschiede und zeichnet sich durch ihre Nähe zum Volk und Klönschnack aus. Vielleicht ist es gerade der nur schwer zu kontrollierende Hotdog, der das Eis zwischen den Menschen bricht, außerdem gibt es dann etwas für die Vögel.

SPIEGEL ONLINE: Sie waren mit Ihrem Wurststand etwa in den USA, in Asien und auch in Australien unterwegs. Haben Sie auf Ihren Reisen andere Traditionen des Hotdog-Essens erlebt?

Posselt: Wenn es in den Ländern Hotdogs oder ähnliche Gericht gibt, habe ich immer versucht, diese erst mal zu kosten. In den USA ging es vor allem um Brot, Dressing, Senf, Wurst und ein paar Gurken, Zwiebeln gab es dort weniger. In China gab es eine Gegend, in der das Gericht überhaupt noch nicht verbreitet war: Ein Mädchen biss statt in ein Ende genau in die Mitte des Hotdogs, sodass er zusammenklappte und am Kinn hängen blieb.

SPIEGEL ONLINE: Sie verstehen sich mit Ihrem Wurststand als Botschafterin für dänische Esskultur?

Posselt: Das wurde ich, doch das ist nicht das Ziel der Reisen. Indem wir mit dem Wurststand durch die Welt fahren und die Hotdogs verschenken, wollen wir sozial etwas verändern und benachteiligten Kindern helfen. Verschiedenste Menschen kommen an dem Stand zusammen. Insgesamt rund 63.000 Hotdogs haben wir in Partnerschaft mit Unternehmen in den vergangenen 15 Jahren bereits verschenkt. Für die verschiedenen von uns geförderten Projekte haben wir bislang mehrere Millionen Kronen Spenden gesammelt.

SPIEGEL ONLINE: Welchen Ort wollen Sie als Nächstes auf den Hotdog-Geschmack bringen?

Posselt: Dubai.

SPIEGEL ONLINE: Ist das nicht eine besondere Herausforderung? Dort werden Sie kaum Würstchen aus Schweinefleisch verteilen können . . .

Posselt: Natürlich nicht - und danach richten wir uns aus. Uns geht es vor allem darum, benachteiligten Kindern zu helfen. Und wenn wir dafür das traditionelle dänische Gericht abändern müssen, dann tun wir das. Wir haben auf unseren Reisen auch schon Hotdogs mit Hühnchen, Halal-geschlachteten Würstchen, vegetarischen Würstchen oder Gemüse in der Mitte verteilt. In Indien etwa mussten wir besonders darauf achten. Richtig gern würde ich mit dem Wurststand auch mal in die Antarktis - am Nordpol waren wir bereits.

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