Australische Siedlung Verwahrloste Kinder aus Inzest-Familie gerettet

Sie lebten mit 30 Erwachsenen zusammen, fast immer waren die Eltern miteinander verwandt: In einer ländlichen Gegend Australiens sind zwölf Kinder aus einer völlig verwahrlosten Familie geholt worden. Sie sollen bis zur Volljährigkeit unter der Obhut des Staates bleiben.


Hamburg - In Australien hat ein Inzest-Fall Entsetzen ausgelöst: Die Behörden stießen in einer abgelegenen Gegend im Bundesstaat New South Wales auf eine Siedlung, in der ein Dutzend abgemagerte, dreckige und zum Teil aufgrund von Inzest behinderte Kinder lebten.

Der Fall war bereits im Juli 2012 aufgedeckt worden, nun informierten die Behörden die Öffentlichkeit. Polizisten und Sozialarbeiter waren Beschwerden nachgegangen, dass die Kinder im Alter zwischen fünf und 15 Jahren nicht oder nur selten zur Schule gingen.

Die Minderjährigen lebten mit etwa 30 Erwachsenen zusammen. Es handelte sich den Angaben zufolge um Mitglieder derselben Familie, die sich über vier Generationen untereinander fortgepflanzt hatten. Elf der zwölf Kinder hatten Eltern, die miteinander verwandt waren. Die Kinder waren teilweise blind oder taub. Ein Jugendgericht kam im September zu dem Schluss, dass es in der Siedlung "generationsübergreifende inzestuöse Beziehungen und innerfamiliären sexuellen Missbrauch" gab.

Die Großfamilie lebte demnach in zwei Baracken, zwei Wohnwagen und zwei Zelten ohne fließendes Wasser und Kanalisation an einem Ort, den die Behörden geheim halten. In den Gerichtsunterlagen ist von "sehr schmutzigen und gefährlichen" Lebensbedingungen die Rede. Auf dem Gelände lagen den Angaben zufolge ungesicherte Stromkabel, Kettensägen und große Säcke voller Müll herum.

Die Kinder waren völlig verdreckt und hatten schlechte Zähne. "Es gab keine Toiletten, Duschen oder Badewannen", heißt es in den Dokumenten. Einige der Mädchen hätten gar nicht gewusst, was Toilettenpapier ist, und noch nie eine Zahnbürste benutzt. Die Jungen und Mädchen konnten sich außerdem kaum verständlich machen und waren sehr schüchtern.

Die Kinder wurden ihren Eltern entzogen. In dem Gerichtsbeschluss heißt es dazu, es gebe "keine realistische Möglichkeit", dass sie eines Tages zu ihren Eltern zurückkehren könnten. Bis sie 18 Jahre alt sind, bleiben sie der Obhut des Staates unterstellt.

hut/AFP

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.