Kindesmissbrauch in Australien Kommission empfiehlt Abschaffung der Zölibat-Pflicht

Zehntausende Kinder sind in australischen Einrichtungen missbraucht worden - viele davon aus dem Bereich der katholischen Kirche. Eine Untersuchungskommission schlägt nun vor, was sich ändern sollte.
George Pell

George Pell

Foto: AAP/REUTERS

In Australien sind über Jahrzehnte hinweg Zehntausende Kinder in kirchlichen und staatlichen Einrichtungen sexuell missbraucht worden. Das geht aus dem Abschlussbericht einer offiziellen Untersuchungskommission hervor, die fünf Jahre lang gearbeitet hat. Die Ergebnisse waren bereits bekannt, an diesem Freitag wurde der Bericht nun offiziell vorgestellt (hier  können Sie ihn im Original nachlesen).

Die genaue Zahl von Opfern ist nicht bekannt. Geschätzt wird, dass etwa 60.000 Menschen Anspruch auf Entschädigung geltend machen können. Wörtlich heißt es in dem Bericht: "Zehntausende Kinder in vielen australischen Einrichtungen wurden sexuell missbraucht. Die genaue Zahl werden wir nie wissen."

Die Kommission war 2012 von der damaligen Premierministerin Julia Gillard eingerichtet worden, nachdem eine Reihe von schweren Missbrauchsfällen bekannt geworden waren. Ihr Nachfolger Malcolm Turnbull sprach - wie auch die Kommission selbst - von einer "nationalen Tragödie".

Die Kommission machte insgesamt 409 Vorschläge, mit denen verhindert werden soll, dass sich Fälle in einem solchen Ausmaß wiederholen. 189 neue Vorschläge wurden nun mit dem Abschlussbericht bekannt. Etwa 20 davon richten sich an die katholische Kirche - in vielen der Missbrauchsfälle waren Geistliche die Täter. Von den kirchlichen Einrichtungen, in denen es zu sexuellem Missbrauch von Kindern kam, waren knapp 62 Prozent katholische. In dem Bericht heißt es, über Jahrzehnte hinweg sei es zu "katastrophalem Versagen" gekommen.

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Bereits Anfang des Jahres war bekannt geworden, dass sieben Prozent der zwischen 1950 und 2010 in Australien tätigen katholischen Priester sexueller Übergriffe gegen Kinder beschuldigt wurden. Nur gegen wenige der rund 1260 Personen sei jedoch tatsächlich vorgegangen worden, teilte die Kommission damals mit.

Die Kommission empfahl nun mehrere Maßnahmen für die katholische Kirche. So solle die australische Bischofskonferenz vom Vatikan fordern, ein freiwilliges Zölibat einzuführen - statt des bisher verpflichtenden. Zudem solle die Bischofskonferenz Klarheit zu zwei Fragen fordern: Fällt es unter das Beichtgeheimnis, wenn ein Priester einen Missbrauch beichtet? Und: Darf einem Priester für einen Missbrauch vergeben werden, bevor er die Tat bei der Polizei anzeigt?

Australiens katholische Kirche entschuldigt sich

"Im Namen der katholischen Bischöfe und religiösen Anführer erneuere ich unsere uneingeschränkte Entschuldigung an die Betroffenen für dieses Leid", sagte der Erzbischof von Melbourne, Denis Hart. Die Schlussfolgerungen der Kommission zum Missbrauch von Kindern würden "sehr ernst" genommen.

Die Forderung der Kommission, das Beichtgeheimnis zu lockern, damit Priester Fälle sexuellen Missbrauchs anzeigen können, von denen sie im Beichtstuhl erfahren, lehnte der Erzbischof jedoch ab. Für die katholische Kirche sei das Beichtgeheimnis von großer Bedeutung, sagte Hart. Falls Geistliche dagegen verstießen, drohe ihnen die Exkommunikation, also der Ausschluss aus der Kirche.

Den Vorschlag, das zwingende Zölibat abzuschaffen, werden die australischen Bischöfe an den Vatikan weitergeben, sagte Hart und ergänzte: "Ich glaube, das Zölibat hat großen Wert."

Kardinal George Pell hatte bereits im vergangenen Jahr eingeräumt, die Kirche habe "enorme Fehler" begangen und "katastrophale Entscheidungen" getroffen, weil sie sich geweigert habe, misshandelten Kindern zu glauben. Stattdessen habe man Priester von Gemeinde zu Gemeinde versetzt.

Pell ist Australiens höchster katholischer Würdenträger und die inoffizielle Nummer drei der Vatikan-Hierarchie. Er steht selbst seit einiger Zeit im Mittelpunkt einer Missbrauchsaffäre. Im kommenden März soll ein Untersuchungsrichter entscheiden, ob die Beweise gegen Pell für einen Prozess ausreichen.

aar/dpa/AP
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