Rassismus in Australien Ladenbesitzer verbietet "Schwarzen und Hunden" den Zutritt

Ein Ladenbesitzer aus der Nähe von Melbourne reagiert mit einem rassistischen Schild auf Diebstähle. Die Geschichte verbreitet sich im Netz, die Polizei verurteilt den Vorgang.


Lunjie Lin betreibt einen Gemischtwarenladen in Melton. Seit diesem Freitag kennt mindestens halb Australien das Geschäft, 35 Kilometer westlich von Melbourne, weil der Ladenbesitzer mit einem rassistischen Ausfall auf Diebstähle in seinem Geschäft reagiert hat.

Der Mann brachte einen Aushang in seinem Schaufenster an, wonach "Hunden und 14 bis 18 Jahre alten Schwarzen" der Zutritt verwehrt sei. Begründung: Schwarze Teenager würden in seinem Geschäft regelmäßig Ladendiebstähle begehen. Kurz darauf verbreitete sich ein Foto seiner Botschaft in den sozialen Netzen. Die Reaktionen reichen von "rassistisch" über "widerlich" bis "Hassverbrechen". Die Polizei erklärte, man sei über den Vorgang informiert und verurteile sowohl Wortwahl als auch Botschaft des Aushangs.

Ein Reporter des Boulevardblatts "Herald Sun" aus Melbourne besuchte Lunjie Lin und befragte ihn zu seiner Aktion. Laut der Darstellung des Ladenbesitzers hat er den Zettel als Reaktion auf einen Vorfall vom Morgen angebracht. Dabei habe eine Gruppe sudanesischer Jugendlicher im Laden geklaut und sich auch von seinem Protest nicht aufhalten lassen.

Ein Mitschnitt der Überwachungskamera zeigt den Vorfall. Mehrere Jugendliche umringen Kasse und Ladenbesitzer, andere füllen sich die Taschen. Auch von Lins Griff zu einem Schlagwerkzeug lässt sich die Gruppe wenig beeindrucken. "Schlag mich doch, schlag mich doch", sagt einer der jungen Männer immer wieder. Das Diebesgut will er nicht wieder herausgeben: "Fass das nicht an, das gehört jetzt mir." Dann verlässt die Gruppe den Laden, inklusive der gestohlenen Gegenstände.

Angeblich 20 vergleichbare Vorfälle

In Melton, wie generell in Australien und besonders im Bundesstaat Victoria, existiert eine wachsende sudanesische Gemeinschaft. Während viele ihrer Mitglieder laut Studien gut integriert sind, gibt es besonders unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen immer wieder Zwischenfälle. So kam es 2016 in der Innenstadt von Melbourne zu einer Massenschlägerei mit mehr als 200 Beteiligten, mittendrin die Apex-Gang, deren Mitglieder zum großen Teil sudanesischer Herkunft sind. Im Februar kursierten Meldungen, wonach sudanesische Jugendliche den Besuchern eines Festivals in Melbourne reihenweise die Mobiltelefone geraubt hätten.

Laut "Herald Sun" sagte Ladenbesitzer Lin, Vorfälle wie an dem betreffenden Morgen habe er in den vergangenen beiden Monaten rund 20 Mal erlebt. Anrufe bei der Polizei seien nutzlos. Daher habe er sich zu dem Aushang entschieden. Mit der heftigen, inzwischen internationalen Reaktion habe er aber nicht gerechnet. Nach wenigen Stunden war der Zettel wieder verschwunden.

jok



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