Buschbrände in Australien Wie eine 13-Jährige zum Gesicht des Protests wurde

Ein Polizist in Sydney droht einer 13-jährigen Klimaaktivistin mit einer Festnahme, "notfalls mit Gewalt": Diese Szene sorgt in Australien für Aufsehen. Nun hat die Jugendliche geschildert, wie es dazu kam.
Isolde Raj-Seppings bei der Demonstration vor dem Kirribilli House in Sydney: "Ein Tag, den ich nicht so schnell vergessen werde"

Isolde Raj-Seppings bei der Demonstration vor dem Kirribilli House in Sydney: "Ein Tag, den ich nicht so schnell vergessen werde"

Foto: STEVEN SAPHORE/EPA-EFE/REX

Isolde "Izzy" Raj-Seppings blickt einem Polizisten ins Gesicht, sie kämpft sichtlich mit den Tränen. Die 13-Jährige ist gemeinsam mit ihrem Vater zum Wohnsitz des australischen Premierministers in Sydney gekommen, Kirribilli House, um gegen das Vorgehen der Regierung im Zusammenhang mit den verheerenden Buschbränden im Land zu protestieren. "Schaut, was ihr uns hinterlassen habt", steht auf dem orangefarbenen Schild der Jugendlichen. "Schaut zu, wie wir dagegen kämpfen. Schaut, wie wir gewinnen."

Neben Izzy waren am vergangenen Donnerstag noch zahlreiche weitere Klimaaktivisten zum Kirribilli House gekommen. Während der Protestaktion wandte sich ein Polizist direkt an die 13-Jährige. Auf Videos ist zu sehen, wie er sich zu ihr hinunterbeugt - und ihr erklärt, dass ihr eine Festnahme drohe, "notfalls mit Gewalt", sollte sie sich der Aufforderung widersetzen und nicht weiterziehen. Izzy hört mit Tränen in den Augen zu und zieht schließlich mit ihrem Vater von dannen: unter dem Jubel von Umherstehenden, ihr Protestschild in die Höhe gereckt.

Ein Foto von Izzy und dem Polizisten ist in den vergangenen Tagen zu einem DER Bilder der Buschfeuerkrise in Australien geworden. Eine Aufnahme des Vorfalls wurde bei Twitter inzwischen mehr als 2,2 Millionen Mal angeklickt. Der Zwischenfall sorgte international für Schlagzeilen.

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"Es war ein Wirbelwind an Emotionen", schrieb die 13-Jährige nun im "Guardian"  über den Zwischenfall. Sie sei mit ihrem Vater eine Stunde lang im Bus angereist, an einem der heißesten Tage, die jemals in Australien gemessen wurden. Was sie dazu bewegt hat? "Das Leugnen unserer Politiker und das Nichtstun unserer Regierung und unseres Premierministers." Sie sei die Lügen und die Irreführung leid, schrieb sie. "Ich habe es satt zu sehen, wie meine Zukunft, die Zukunft meiner Freunde und meiner Familie, all unsere Zukunftsaussichten vor unseren Augen brennen."

Konkret kritisierte Izzy beispielsweise, dass Premierminister Scott Morrison auf Hawaii urlaube, während Australien unter den verheerenden Bränden leide. "Wir brauchen einen Premierminister, der anerkennt, dass das keine normale Brandsaison ist, sondern dass der Klimawandel dafür verantwortlich ist."

In dem Artikel beschreibt sie auch, wie sich die Polizisten bei der Protestaktion mit "intensiver Einschüchterungstaktik" an die Demonstranten gewandt hätten. Die Beamten hätten die Leute gepackt und in Polizeiwagen gezerrt, wenn sie sich widersetzten. Sie sei schockiert und verwirrt gewesen, schrieb Izzy. "Es ist ein Tag, den ich nicht so schnell vergessen werde."

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Die Buschfeuersaison hat in Australien in diesem Jahr ungewöhnlich früh und heftig begonnen, die Zahl der Todesopfer ist jüngst auf acht gestiegen. Seit Wochen versuchen Feuerwehrleute vor allem an der Ostküste, die immer weiter wachsenden Brände zu kontrollieren. Allein im bevölkerungsreichsten Bundesstaat New South Wales waren am Samstag rund 10.000 Polizisten, Rettungskräfte, Sanitäter und Feuerwehrleute im Einsatz.

In den Außenbezirken von Sydney, der Hauptstadt des Bundesstaats, wurden bis zu 47 Grad erwartet. Die Luftqualität in der Metropole leidet massiv unter den Bränden.

Video: Sydney versinkt im Rauch

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Premier Morrison steht wegen seines Krisenmanagements seit Wochen in der Kritik. So hatte er sich zuletzt geweigert, Kompensationen für die vielen freiwilligen Feuerwehrleute in Betracht zu ziehen. Morrison und seine Partei verfolgen zudem eine Politik, die wenig zum Kampf gegen die Klimakrise beiträgt.

Zuletzt sorgte Morrison mit seiner bereits erwähnten Hawaii-Reise für einen Aufschrei im Land; auch, weil die Reise zunächst von seinem Team abgestritten worden war. Nach der anhaltenden Kritik erklärte der Premier dann am Freitag: "Ich bedauere zutiefst, dass der Urlaub mit meiner Familie in dieser Zeit bei vielen von den schrecklichen Buschfeuern betroffenen Australiern Ärger verursacht hat." Er werde nun so schnell wie möglich zurückkehren. Seine Ankunft wird für Samstagabend erwartet.

aar/dpa