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Pazifikinsel: Gesichter von Nauru

Foto: TORSTEN BLACKWOOD/ AFP

Australische Flüchtlingspolitik "Kinder einsperren ist nie die Lösung"

Drei Kinder, drei Schicksale: Menschenrechtler haben Fotos von minderjährigen Flüchtlingen auf der Pazifikinsel Nauru veröffentlicht. Ihre Geschichten stehen exemplarisch für das Versagen der australischen Regierung.

Roze, zwei Jahre alt, wird als lebendiges Mädchen beschrieben, das gerne durch Bilderbücher blättert und im Freien spielt. Sie hat ihr ganzes Leben in einem australischen Flüchtlingslager auf der kleinen Pazifikinsel Nauru verbracht.

Melanie, drei Jahre alt, malt gerne und spielt mit Lego. Ihre Mutter sagt, die Kleine tut gerne so, als sei sie Ärztin. Die Familie ist seit fünf Jahren auf Nauru.

George, zwei Jahre alt, spricht noch nicht. Seine Mutter glaubt, er wird es seinem Vater einmal nachtun und Schriftsteller werden. George wurde auf Nauru geboren.

Roze, Melanie und George sind drei von knapp 120 Kindern, die noch immer in dem australischen Lager auf der winzigen Pazifikinsel Nauru  ausharren - unter teils widrigen Umständen. Kritik an der rigorosen Asylpolitik Australiens gibt es schon lange, in den vergangenen Tagen hat sie noch einmal zugenommen. Das liegt auch an den Gesichtern von Roze, Melanie und George.

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Pazifikinsel: Gesichter von Nauru

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Bisher gab es kaum Bilder aus Nauru, Medienvertreter bekommen so gut wie keinen Zugang zur Insel, den Flüchtlingen fehlte damit in der Berichterstattung häufig das Gesicht. Das hat die Kinderhilfsorganisation World Vision nun geändert und Fotos der drei Kinder mit der Erlaubnis der Eltern veröffentlicht . World Vision ist eine von rund 30 Gruppen von Aktivisten und Menschenrechtlern, die sich für eine groß angelegte Kampagne zusammengeschlossen haben: Sie setzen der Regierung von Premierminister Malcolm Turnbull eine Frist von drei Monaten, um die Kinder von Nauru zu holen - bis zum 20. November, dem Internationalen Tag der Kinderrechte. Dass die Frist eingehalten wird, ist allerdings unwahrscheinlich.

An der Aktion #KidsOffNauru  beteiligen sich die größten australischen Menschenrechtsorganisationen. Die weltweite Flüchtlingskrise sei ein komplexes Problem, heißt es auf der Internetseite, "aber Kinder einsperren ist nie die Lösung".

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Auch Politiker unterstützen die Aktion. Der Grünen-Senator Nick McKim hielt im Parlament eine bewegende Rede und forderte seine Kollegen auf, an ihre eigenen Kinder zu denken. Was, wenn sie niemals Freiheit kennengelernt hätten? Was, wenn sie keinen Zugang zu anständiger Bildung und Gesundheitsversorgung hätten?

Die Kinder auf Nauru würden aufgrund von Entscheidungen leiden, die die australische Regierung getroffen habe, sagte McKim. Der Pazifikstaat wies die Kritik am Montag via Twitter zurück : Zu behaupten, Kinder auf Nauru seien in Gefahr, sei beleidigend.

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In den vergangenen Monaten hat es wiederholt Berichte über Kinder und Jugendliche auf Nauru gegeben, die schwer erkrankten, sich verletzten oder versuchten, Suizid zu begehen. Dass die Zeit drängt, machten jüngst zwei Fälle deutlich:

  • Anfang August unterlag die australische Regierung vor Gericht und musste ein schwer krankes Mädchen von Nauru holen, um es in Sydney behandeln zu lassen. Sie hatte sich selbst Verletzungen zugefügt und kaum noch Nahrung zu sich genommen. Ärzte diagnostizierten eine schwere Depression. Vertreter des damaligen Einwanderungsministers Peter Dutton hatten vor Gericht allerdings - wie schon häufiger in der Vergangenheit  - argumentiert, das Kind sei nicht schwer krank. (Dutton trat am Dienstag nach einem parteiinternen Machtkampf mit Turnbull zurück, sein Nachfolger wird Scott Morrison.)
  • In den vergangenen Tagen hatte der Fall eines zwölfjährigen Jungen Aufsehen erregt. Knapp 20 Tage lang hatte er auf Nauru jede Nahrungsaufnahme und medizinische Behandlung verweigert, er wog noch 36 Kilogramm und war zu schwach zum Laufen. Seine Ärzte sagten dem "Guardian" , der Zustand des Jungen sei extrem kritisch. Am Dienstagnachmittag lenkte die Regierung in Canberra ein und ließ den Jungen gemeinsam mit seiner Familie zur Behandlung aufs australische Festland fliegen. Der Junge und seine Familie stammen aus Iran, sie sind offiziell als Flüchtlinge anerkannt. Australien lässt sie trotzdem nicht ins Land.

Wer ohne gültige Einreisepapiere per Boot nach Australien kommt, wird abgefangen, zurückgeschickt oder in Lager auf Nauru und der Insel Manus gebracht. Das Lager auf Manus wurde Ende vergangenen Jahres geschlossen, die Männer wurden in andere Unterkünfte auf der Insel gebracht oder in die USA geschickt - einen entsprechenden Deal hatte Turnbull mit dem damaligen US-Präsidenten Barack Obama geschlossen.

Australien begründet seine rigorose Asylpolitik damit, dass sie Flüchtlinge und Schmuggler abschrecke - und dadurch weniger Menschen im Meer ertränken. Es ist unklar, wie viele Menschen trotzdem versuchen, das Land zu erreichen. Offizielle Angaben dazu gibt es nicht.

Australiens Flüchtlingspolitik - Die wichtigsten Stationen

In den kommenden Wochen wird Nauru unter besonderer Beobachtung stehen: Vom 1. bis zum 9. September tagen dort die Mitglieder des sogenannten Pazifischen Inselforums , es wird darum gehen, die Zusammenarbeit der Inselstaaten im Pazifik zu verbessern. Wenn es nach Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern geht, wird auch das Flüchtlingsthema auf der Agenda stehen.

Sie hat erst vor wenigen Tagen erneut angeboten, 150 Flüchtlinge in Neuseeland aufzunehmen. Das Angebot habe Nauru allerdings mit dem Hinweis abgelehnt, man verhandle lieber direkt mit Australien. Die Regierung in Canberra hat das Angebot aus Wellington schon häufiger ausgeschlagen: Turnbull befürchtet, dass sich Menschenschmuggler dadurch ermutigt fühlen könnten, weil den Flüchtlingen sozusagen ein "Zugang durch die Hintertür" gewährt werde.

"Neuseeland ist bereit, zu helfen", sagte Ardern. Ihr seien aber die Hände gebunden.

Video: Australiens harte Migrationspolitik

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