Bär in Oberbayern Politiker und Tierschützer empören sich über Abschuss-Beschluss

Der Bär ist los - auch in Berlin. Politiker und Tierschützer haben sich gegen den Abschuss des Bären in Oberbayern ausgesprochen. Unterdessen gelang es den Behörden bis heute Morgen nicht, das Tier einzufangen oder zu töten.


Berlin - Die Entscheidung der bayerischen Behörden, den aus Italien stammenden Braunbären abzuschießen, löst auch auf politischer Ebene Empörung aus. "Ich halte das Theater nicht für angemessen", sagte der Tierschutzbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion, Wilhelm Priesmeier, der "Berliner Zeitung". Der Abschuss sei nur zu rechtfertigen, wenn von dem Tier eine unmittelbare Gefahr für Menschen ausgehe. Außerdem zähle der Bär zu den geschützten Arten. Es sei vielmehr zu begrüßen, dass zum ersten Mal seit mehr als 170 Jahren ein Bär in Deutschland aufgetaucht sei.

Das Raubtier war am Wochenende im Landkreis Garmisch-Partenkirchen aufgetaucht. Es hatte mehrere Schafe getötet und war in einen Hühnerstall eingedrungen. Bei den Menschen in der Region herrscht Angst und Entsetzen. "Erschießen sollen sie ihn, bevor er Menschen anfällt", sagte etwa Elisabeth Ostler SPIEGEL ONLINE.

Dagegen machte sich der Deutsche Tierschutzbund sogar für eine verstärkte Ansiedelung stark. Ein Abschuss wurde strikt abgelehnt: "Ich halte den Vorgang für ungeheuerlich und empörend", sagte die Vizepräsidentin des Verbandes, Brigitte Rusche. In Deutschland rege man sich über jeden Elefanten auf, der von armen Bauern in Afrika erschossen werde, um die Ernte zu schützen. "Aber selbst fällt uns nichts Besseres ein, als einen Bären sofort abzuschießen", sagte die Biologin aus München. Man könne das Tier markieren, um seine Route zu verfolgen. Mögliche Beute wie Schafe müssten in der Region eben über Nacht mit Elektrozäunen geschützt werden.

Die Umweltstiftung gibt dem Braunbär kaum noch Überlebenschancen.

Dagegen betonte die Naturschutzorganisation WWF, dass neben der Tötung immer noch die Möglichkeit bestehe, den Bären lebend zu fangen, so Artenschutzexperte Roland Melisch. Allerdings stünden die Chancen, dass dies gelingt, eher schlecht, gab auch Melisch zu. Der WWF forderte für Bayern einen "Management Plan", der die Bevölkerung auf einwandernde Tiere vorbereitet.

Bayerns Umweltminister Werner Schnappauf (CSU) hatte gestern den Bär zum Abschuss freigegeben. Die Experten seien nach den Raubzügen des Tieres im Raum Grainau der Ansicht, dass er eine Gefahr für die Menschen sein könnte. Im Rundfunk warnte der Landkreis Garmisch-Partenkirchen die Bevölkerung vor dem Bären. Insbesondere bei nächtlichen Spaziergängen und mit Hunden sei Vorsicht geboten.

aki/ddp/dpa



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