Bärenjagd Auch Österreich erlaubt den Abschuss

Wo steckt der Bär? Das fragen sich Förster und Tierschützer in Oberbayern gleichermaßen. Verbirgt er sich im Wald? Oder ist er gar wieder nach Österreich zurück? Das allerdings würde ihm kaum nutzen. Denn auch dort gaben ihn die Behörden zum Abschuss frei.


Hamburg - Derzeit suchen zehn bis zwölf Jäger nach dem zum Abschuss freigegebenen Bären. Der Sprecher des Landratsamtes in Garmisch-Partenkirchen, Wolfgang Olexiuk, sagte: "Der Bär ist seit gestern Nachmittag nicht mehr gesichtet worden. Seit heute Vormittag sind Jäger in dem Gebiet unterwegs, wo er zuletzt aufgetreten ist, und suchen nach Spuren." Dieses sei jedoch sehr groß. Zudem liege dort teilweise auch noch Schnee, sagte Olexiuk.

Unterdessen wies der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) die Kritik an der Abschusserlaubnis für den vagabundierenden Braunbären zurück. Die Sicherheit der Menschen habe absoluten Vorrang, sagte Stoiber. Deshalb sei es richtig, in letzter Konsequenz auch die Tötung des Tieres in Kauf zu nehmen. Zunächst solle jedoch versucht werden, den Bären zu betäuben und nicht zu töten.

Zuvor hatte die "Berliner Zeitung" den Tierschutzbeauftragten der SPD-Bundestagsfraktion, Wilhelm Priesmeier, mit den Worten zitiert: "Ich halte das Theater nicht für angemessen." Der Abschuss sei nur zu rechtfertigen, wenn von dem Tier eine unmittelbare Gefahr für Menschen ausgehe. Außerdem zähle der Bär zu den geschützten Arten. Es sei vielmehr zu begrüßen, dass zum ersten Mal seit mehr als 170 Jahren ein Bär in Deutschland aufgetaucht sei, sagte Priesmeier.

Wanderweg des Bären: Von Italien über Österreich nach Oberbayern
WWF

Wanderweg des Bären: Von Italien über Österreich nach Oberbayern

Der Deutsche Tierschutzbund machte sich sogar für eine verstärkte Ansiedelung stark und lehnte einen Abschuss strikt ab: "Ich halte den Vorgang für ungeheuerlich und empörend", sagte die Vizepräsidentin des Verbandes, Brigitte Rusche. In Deutschland rege man sich über jeden Elefanten auf, der von armen Bauern in Afrika erschossen werde, um die Ernte zu schützen. "Aber selbst fällt uns nichts Besseres ein, als einen Bären sofort abzuschießen."

In Österreich hat der zuständige Landrat den Abschuss des Bären erlaubt. Der Bär sei offenbar gefährlich, sagte Anton Steiner im österreichischen Radio. Allerdings dürfe das Tier nur von einem autorisierten Jäger getötet werden.

Die Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" wiederum bot in Zusammenarbeit mit der "Stiftung für Bären" dem bayerischen Umweltministerium an, den Bären auf einem drei Hektar großen Grundstück nahe München unterzubringen. "Wir wollen nicht, dass der erste Bär, der nach 170 Jahren wieder nach Deutschland kommt, sofort erschossen wird", so Sprecherin Beate Schüler. Laut der Tierschutzorganisation hat das Ministerium das Angebot dankend angenommen. Hauptschwierigkeit sei nun jedoch das Tier lebend einzufangen.

Die Naturschutzorganisation WWF forderte für Bayern einen "Management Plan". Dieser soll die Bevölkerung auf einwandernde Tiere vorbereiten. Zudem rät der WWF Wanderern vor Ort durch Singen und Pfeifen auf sich aufmerksam zu machen. Wichtig sei es, den Bären, der sich möglicherweise im Dickicht versteckt, nicht zu überraschen. 

Der Bär war am Wochenende von Österreich nach Bayern eingewandert. Nachdem er mehrere Hühner und Schafe gerissen hatte, gab ihn der bayerische Umweltminister Werner Schnappauf gestern zum Abschuss frei.

aki/AP/dpa



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