USA Polizei in Baltimore kauft Bürgern 2000 Waffen ab

500 Dollar für einen Granatwerfer, 100 für eine Pistole: In der US-Stadt Baltimore kauft die Polizei massenhaft Waffen auf, um so die Gewaltkriminalität einzudämmen. Doch die Aktion ist umstritten.

AFP

In Baltimore an der US-Ostküste wurden vier Jahre in Folge jeweils mehr als 300 Menschen ermordet. Die Polizei der von Gewalt geplagten 600.000-Einwohner-Stadt greift daher zu ungewöhnlichen Mitteln: Sie kauft Waffen auf.

Bei der Aktion, die an drei Tagen im Dezember stattfand, wurden 1860 Waffen von Bewohnern eingesammelt, wie ein Polizeisprecher sagte, darunter war auch ein Granatwerfer. Die Polizei hatte 100 Dollar pro Revolver, Pistole oder Gewehr, 200 Dollar für halbautomatische Gewehre und 500 Dollar für vollautomatische Gewehre geboten. Außerdem wurde Anonymität zugesichert.

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Polizeiaktion: 2000 Waffen in Baltimore eingesammelt

Die Polizei wollte so die Zahl der im Umlauf befindlichen illegalen Waffen reduzieren - und so die Gewaltkriminalität eindämmen. Für den Waffenrückkauf stellte die Stadt 250.000 Dollar bereit. In den USA garantiert der zweite Verfassungszusatz das Recht auf privaten Waffenbesitz. In rund jedem dritten Haushalt gibt es eine Schusswaffe.

Die Aktion ist allerdings umstritten. Die Zeitung "Baltimore Sun" bezeichnete sie in einem Kommentar als "große Verschwendung von Zeit, Geld und Ressourcen". Kriminelle würden ihre Waffen auf diese Weise nicht abgeben. Polizeichef Gary Guttle argumentierte in der Zeitung dagegen, wenn Waffen "nicht existieren, nicht zu Hause sind, können sie nicht verwendet und nicht gestohlen werden".

Durch Schusswaffen starben in den USA im vergangenen Jahr fast 40.000 Menschen - so hoch war die Rate seit den Neunzigern nicht mehr. Damit gab es 2017 mehr Tote durch Schusswaffen als durch Verkehrsunfälle. Ein Grund dafür ist die steigende Zahl an Suiziden.

abl/dpa

insgesamt 9 Beiträge
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Aha!11!eins 26.12.2018
1.
...und unterm Weihnachtsbaum liegen wieder zahlreiche echte Waffen sowie Spielzeugwaffen für Kinder. Solange nicht staatenübergreifend der Erwerb und Besitz scharfer Waffen stark eingeschränkt wird, sowie die Waffe nicht mehr als Spaßfaktor mehr angesehen wird, sondern das was es ist - ein verachtenswertes Tötungsinstrument - solange werden sich die US-Bürger Jahr für Jahr wieder zu Zigtausenden abknallen.
frenchie3 26.12.2018
2. Das Argument mit den geklauten Waffen
ist sicher richtig, aber von welchem Promillebereich spricht man da? Interessant wäre auch mal zu wissen ob es sich bei den abgegebenen Waffen um geklaute handelt und die Diebe auf diese Weise heiße Ware loswurden. Eine hehre Aktion, aber sinnvoll? Ich denke: nein
rl23 26.12.2018
3.
Die Leute können ihre Waffen abgeben, aber sich auch jederzeit in den USA ohne Probleme eine neue besorgen. Ich weiß nicht ob sich das finanziell lohnt diese Umtauschaktion, aber dennoch ist es doch eher ein Tropfen auf den heißen Stein.
larsmach 26.12.2018
4. Anno 1791 - die gute alte Zeit...
1791... in Italien experimentierte man mit einem Phänomen namens Elektrizität, und der Erfinder des Telegraphen wurde gerade geboren. Es gab in den USA noch keine Postdienste, noch keine Eisenbahn, kaum Straßen, kein 911, keine Polizeihubschrauber. Dieses einmalige Museum ist uns bis heute erhalten geblieben, während selbst der Vatikan in den 1960ern zu dem Schluss kam, die Bibel im historischen Kontext zu lesen (2. Vatikanisches Konzil). Hoffentlich bricht in den USA nie ein Bürgerkrieg aus...
vox veritas 26.12.2018
5.
Kann man die Zahlen der Toten durch Schußwaffen einmal aufschlüsseln? Ich meine, daß ist zwar ein US-amerikanisches Probleme, aber wenn ich hier von Suiziden lesen, dann würde ich auch gerne wissen, wie viele das sind (plus Tote durch Unfälle, Verbrechen, etc., etc.)
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