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Bangladesch: Konflikt zwischen Muslimen und Buddhisten

Foto: STR/ AFP

Radikale Muslime in Bangladesch Polizei nimmt 166 mutmaßliche Tempelschänder fest

In Bangladesch haben Muslime buddhistische Tempel und Häuser in Brand gesteckt. Auslöser für die Unruhen war angeblich eine Koran-Beleidigung auf Facebook. Damit die Gewalt zwischen Muslimen und Buddhisten nicht eskaliert, setzt die Regierung die Armee ein.

Dhaka - Tausende Muslime haben im Osten von Bangladesch buddhistische Heiligtümer zerstört und Häuser in Brand gesteckt. Jetzt ließen die Behörden Militär aufmarschieren. Überall in den Straßen waren Soldaten, Grenzbeamte und Polizisten zu sehen. Die Regierung verbot öffentliche Versammlungen in den betroffenen Gebieten nahe der Grenze zu Burma.

Wie die Polizei im Südosten des Landes mitteilte, wurden im Zusammenhang mit den Ausschreitungen vom Wochenende 166 Menschen festgenommen. Die Sicherheitskräfte sprachen von einem "organisierten Angriff" und kündigten die strafrechtliche Verfolgung der Gewalttäter an.

Geschätzt 25.000 Menschen hatten am Sonntag in der Stadt Ramu und Umgebung mehrere Tempel und Dutzende Häuser niedergebrannt. Die Protestierer wüteten stundenlang und zerstörten insgesamt zwölf buddhistische Tempel und mehr als 50 Häuser. Unter den Heiligtümern waren zum Teil jahrhundertealte Pagoden, wie ein Polizeisprecher SPIEGEL ONLINE sagte. In der Stadt Chittagong wurden zwei buddhistische und ein hinduistischer Tempel zerstört.

Als die Unruhen am Samstagabend begannen, waren viele Buddhisten unterwegs in den Einkaufsstraßen, um die Vorbereitungen für das Vollmondfest zu treffen. Sie dauerten bis zum Sonntagmorgen an.

Etwa tausend buddhistische Familien waren nach den Angriffen aus ihren Häusern geflohen. Mindestens 20 Menschen wurden verletzt. Prodip Barua, Besitzer eines Lebensmittelladens, konnte in letzter Sekunde mit seiner Frau und den beiden Kindern fliehen. Als er am Montag zurückkehrte, fand er statt seines Geschäfts nur noch eine Ruine vor: "Wie werde ich jetzt überleben? Wie soll ich meine Kinder zur Schule schicken? Ich habe alles verloren", sagte er.

"Vorsätzlich geplanten Angriff auf eine Minderheit"

Auslöser der Gewalt war ein angeblich den Koran beleidigendes Foto bei Facebook, das ein Buddhist gepostet haben soll. "Wir gehen davon aus, dass militante Muslime eine Gelegenheit genutzt haben zu randalieren", sagte der Polizeisprecher. Die Minderheit der Rohingyas wird verdächtigt, hinter den Unruhen zu stecken. Die Rohingyas kommen aus dem benachbarten Burma, die Flüchtlinge sind jedoch im überwiegend islamischen Bangladesch nicht willkommen. Im Osten von Bangladesch leben sie in ärmlichen Verhältnissen in Camps oder auf der Straße.

Die Zeitung "The Daily Star" berichtet, die Einheimischen hätten einen 25-jährigen Buddhisten für die Verbreitung der Fotos im Internet ausgemacht. Der jedoch erklärte, er habe damit nichts zu tun. Das Foto sei ohne seine Einwilligung mit seinem Namen getaggt worden. Die Polizei brachte den jungen Mann und seine Familie in Sicherheit. Angeblich soll das Foto anschließend rasend schnell verbreitet worden sein. Ein Restaurantbesitzer sagte der Zeitung, in seiner Nachbarschaft hätten es viele auf ihr Mobiltelefon geschickt bekommen.

Die oberste Aufsichtsbehörde über das Telefonnetz in Bangladesch teilte mit, Facebook habe das Foto, das eine Koranschändung zeige, auf Anfrage hin entfernt. Innenminister Mohiuddin Khan Alamgir nannte die Randale einen "vorsätzlich geplanten Angriff auf eine Minderheit". Er versprach, dass die Regierung von Bangladesch für den Wiederaufbau der Tempel sorgen und die Menschen, deren Häuser zerstört wurden, entschädigen würde.

In Bangladesch machen Buddhisten weniger als ein Prozent der Bevölkerung aus; sie leben hauptsächlich im Südosten des Landes. Rund 90 Prozent der 153 Millionen Bangladescher sind Muslime. In den vergangenen Wochen hatten Zehntausende Muslime in dem Land gegen das in den USA produzierte Schmähvideo "Die Unschuld der Muslime" protestiert, in dem der Prophet Mohammed beleidigt wird.

kaz/ala/Reuters/AP
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