Bangladesch Wütende Proteste nach Einsturz von Fabrikgebäude

Rund 250 Leichen wurden nach dem Einsturz eines maroden Fabrikgebäudes in Bangladesch geborgen. Noch immer vermuten Rettungskräfte in Hohlräumen unter den Trümmern Überlebende. Tausende Arbeiter forderten auf den Straßen Konsequenzen für die Verantwortlichen.

Menschenansammlung an Unglücksort in Bangladesch: 250 Leichen geborgen
AFP

Menschenansammlung an Unglücksort in Bangladesch: 250 Leichen geborgen


Dhaka - Nach dem Einsturz eines maroden Fabrik- und Einkaufsgebäudes in Bangladesch haben Tausende Textilarbeiterinnen gegen die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen protestiert. Bislang sind 250 Leichen aus den Trümmern in einem Vorort der Hauptstadt Dhaka geborgen worden. Die meisten Toten sind Frauen, die in den Textilfabriken gearbeitet hatten.

Die Demonstranten forderten, die Verantwortlichen der Tragödie zur Rechenschaft zu ziehen. Sie skandierten: "Verhaftet sie! Hängt sie!" Das Gebäude "Rana Plaza" habe bereits am Tag vor dem Einsturz Risse gehabt, berichteten Überlebende. Dennoch seien sie zur Arbeit gezwungen worden.

Tausende zogen durch die Viertel Savar, in dem das Gebäude stand, und Ashulia, wo im November bei einem Fabrikbrand 112 Menschen ums Leben kamen. Die Demonstranten blockierten große Straßen und zerstörten laut Polizei mehrere Fahrzeuge. Hunderte belagerten auch den Hauptsitz der Vereinigung der Textilhersteller und -exporteure von Bangladesch.

Wie viele Menschen sich vor dem Einsturz in dem Gebäudekomplex aufhielten, ist unklar. Mehr als 2000 Personen seien bisher lebend gerettet worden, sagte ein Polizeisprecher. Unter den tonnenschweren Betonteilen werden mehrere Hohlräume mit weiteren Überlebenden vermutet. Laut dem privaten Fernsehsender Independent sollen 40 Überlebende geortet, aber noch nicht gerettet worden sein.

Helfer von Polizei, Feuerwehr, Zivilschutz, Militär und Hunderte Freiwillige reichten Eingeschlossenen durch Risse und Spalte Wasser. Auch versuchten sie, Sauerstoff in die Hohlräume unter dem Trümmerberg zu blasen. "Ich will leben, bitte helft mir, hier herauszukommen", schrie ein Mann, der zwischen einer Säule und einer umgestürzten Wand gefangen war.

Das Innenministerium ordnete die Verhaftung des Gebäudebesitzers an. Er soll den Fabrikbetreibern nach dem Entstehen der Risse gesagt haben, Techniker hätten das Gebäude überprüft und für sicher befunden. Bis Dienstag müssten der Besitzer und die Fabrikbetreiber vorgeführt werden, verfügte ein Gericht.

Ein anderes Gebäude in der Hauptstadt wurde aufgrund von Rissen evakuiert, 5000 Mitarbeiter wurden in Sicherheit gebracht. Im Industriegebiet Ashulia rannten Arbeiter in Panik aus drei Gebäuden, als sie Risse in den Wänden sahen.

hut/dpa



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