Albert II. dankt ab Belgien krönt seinen neuen König Philippe

Albert II. hat abgedankt - ab sofort ist sein Sohn Philippe der König Belgiens. Anders als sein leutseliger Vater gilt er als unbeholfen und schüchtern. Er wird sich die Sympathie der Belgier hart erarbeiten müssen.
Albert II. dankt ab: Belgien krönt seinen neuen König Philippe

Albert II. dankt ab: Belgien krönt seinen neuen König Philippe

Foto: Eric Lalmand/ dpa

Brüssel - Nach 20 Jahren auf dem Thron hat Belgiens König Albert II. offiziell abgedankt. Der 79-jährige Monarch unterschrieb am Sonntag bei einer feierlichen Zeremonie im Brüsseler Königspalast die Abdankungsurkunde.

Damit ist sein Sohn Philippe, 53, nun der siebte König des Landes, am Mittag legte er seinen Eid auf die Verfassung ab: "Ich schwöre, die Verfassung und die Gesetze des belgischen Volkes zu beachten, die Unabhängigkeit des Landes zu erhalten und die Unversehrtheit des Staatsgebietes zu wahren." Philippe sprach den Eid in den drei Landessprachen Niederländisch, Französisch und Deutsch und hob die Hand zum Schwur. In der Uniform eines Viersterne-Generals des Heeres nahm er im Parlament auf einem thronähnlichen goldenen Sessel Platz.

In seiner ersten Thron-Rede sagte Philippe: "Ich bin mir der Verantwortung bewusst, die auf mir ruht." Den Bürgern sprach der neue König Mut zu: "Die Krise trifft viele Menschen von uns in diesem Land. Ich möchte alle ermutigen, nicht nachzugeben." Belgien solle zudem am europäischen Projekt weiterarbeiten. Seine Ansprache beendete Philippe mit dem Wunsch in drei Sprachen: "Es lebe Belgien!" Vor dem Parlament wurden 101 Kanonenschüsse abgefeuert.

Albert wünschte seinem Sohn viel Erfolg. Philippe sei gut auf seine neue Aufgabe an der Spitze des Staates vorbereitet, sagte er. Auch dankte Albert unter viel Beifall seiner Frau Paola, die ihn 20 Jahre in seinem Amt unterstützte. Paola und Philippes Frau Mathilde waren den Tränen nahe.

Der neue König der Belgier wird sich auf dem Thron erst Respekt erarbeiten müssen. Philippe gilt als fleißig, er hat Politik an Elitehochschulen studiert, ist Kampfpilot, Umweltschützer und Langstreckenläufer. Aber er ist nicht so beliebt wie sein leutseliger, humorvoller Vater.

Der schüchterne Kronprinz

Philippe war ein schüchternes Kind. Seine Eltern ließen ihn und seine beiden Geschwister oft bei befreundeten Familien oder vertrauten sie der Obhut von Fahrern oder Gärtnern am Hofe an. Auch heute geht Philippe nicht so auf die Menschen zu wie Albert II., in der Öffentlichkeit wirkt er oft gehemmt.

Dabei hat er sich als Kronprinz seit Jahrzehnten auf die Regentschaft vorbereitet, hat unzählige belgische Handelsmissionen begleitet und im Ausland für belgische Firmen geworben. Und er hat stets darauf beharrt: "Ich werde bereit sein."

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Eine wichtige Stütze für Philippe ist seine Frau Mathilde, 40, Belgiens neue Königin. Der studierten Psychologin wird ein "außergewöhnliches Gefühl für Public Relations" bescheinigt. Als "wundervoll, frisch und stilvoll" adelte sie das Magazin "Vanity Fair". In ihrer klassischen Garderobe ist die blonde Mathilde kein überschwänglicher Typ, tritt aber sicher und elegant auf.

Als junge Frau ist sie durch die Welt gezogen. "Mit Freunden, den Rucksack auf dem Rücken, durchwanderte sie Gebiete in Asien, Lateinamerika und dem Vorderen Orient", heißt es in einer Biografie des Königspalasts. Als Prinzessin widmete sie sich wohltätigen Zwecken, unter anderem als Sonderbotschafterin des Kinderhilfswerks Unicef und der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Deutsche Wurzeln

Philippe und Mathilde sind seit 1999 verheiratet. Wie sie sich kennenlernten, darüber gibt es nur Gerüchte. Der offizielle Hochzeitskuss war eher eine "kurze Zeremonie" als ein ausgiebiger Liebesbeweis, moniert ein Kenner des Königshauses.

Politisch hat Belgiens Königspaar nur repräsentative Funktionen. Es hat aber die Aufgabe, das harmonische Miteinander im Land zu fördern. Was durchaus schwierig ist: Immer wieder kommt es in Belgien zu Grabenkämpfen zwischen Flamen und Frankophonen.

Das belgische Königshaus hat seine Wurzeln in Deutschland. Als erster König stieg Leopold von Sachsen-Coburg-Gotha 1831 auf den Thron.

ssu/AFP/dpa
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