Emeritierter Papst Benedikt XVI. spricht sich gegen Ehe für Priester aus

Bei seinem Rücktritt hat er versprochen, "für die Welt verborgen" zu bleiben. Dennoch meldet sich der emeritierte Papst jetzt öffentlich zu Wort - es geht um den Zölibat.
Offenbar nicht immer einer Meinung: Papst Franziskus und sein Vorgänger Benedikt XVI.

Offenbar nicht immer einer Meinung: Papst Franziskus und sein Vorgänger Benedikt XVI.

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HANDOUT/ AFP

Mehrere Jahre nach seinem Rücktritt hat sich der emeritierte Papst Benedikt XVI. für den ausnahmslosen Zölibat ausgesprochen. Er appelliert an seinen Nachfolger Franziskus, das Eheverbot für Priester nicht zu lockern. "Ich kann nicht still bleiben!", schreibt der 92-Jährige in dem Buch "Des profondeurs de nos coeurs" ("Aus der Tiefe unserer Herzen"), das er gemeinsam mit dem konservativen Kardinal Robert Sarah verfasste. Die französische Zeitung "Le Figaro"  veröffentlichte daraus vorab Auszüge.

Benedikt und Kardinal Sarah argumentieren, dass sich die katholische Kirche nicht von "schlechten Einlassungen, Theatralik, diabolischen Lügen und im Trend liegenden Irrtümern" beeinflussen lassen dürfe, "welche den priesterlichen Zölibat entwerten wollen". Sie warnen auch, dass Priester durch die "ständige Infragestellung" des Zölibats "verunsichert" würden.

Franziskus prüft derzeit, ob in entlegenen Weltgegenden wie etwa bestimmten Gebieten des Amazonas, in denen es einen Mangel an Priestern gibt, den Geistlichen die Ehe erlaubt werden soll. Es wird erwartet, dass er seine Entscheidung in den nächsten Wochen verkündet. Bei einer Amazonas-Synode im Oktober in Rom hatten Bischöfe den Papst aufgerufen, in der Amazonasregion das Priesteramt für verheiratete Männer zu öffnen. (Lesen Sie hier  mehr zu dem Thema)

Sein Vorgänger ist ein Gegner der Pläne: Benedikt schreibt in dem Buch unter anderem, dass die Ehe von einem Mann verlange, sich ganz seiner Familie zu widmen. Für das Leben als Geistlicher sei jedoch auch totale Hingabe notwendig, deshalb erscheine es nicht möglich, "beiden Berufungen gleichzeitig nachzugehen".

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Die Intervention Benedikts ist außergewöhnlich, weil er 2013 bei seinem Rücktritt versprochen hatte, künftig "für die Welt verborgen" zu bleiben und dem neuen Papst gehorsam zu sein. Dieses Versprechen hielt er weitgehend ein. 2019 allerdings verfasste er einen streitbaren Aufsatz, in dem er die Achtundsechziger für Übergriffe katholischer Priester auf Kinder mitverantwortlich machte. 

Benedikt war der erste Papst seit dem Mittelalter, der zurücktrat. Der Experte Iacopo Scaramuzzi schrieb bei Twitter, das Miteinander von früherem und derzeitigem Papst sei schwierig, wenn der Amtsvorgänger sein Versprechen nicht halte, "sich zu verbergen und zu gehorchen".

bbr/AFP/AP