Anti-Corona-Einsatz Angebliche Fetisch-Party in Berlin - Veranstalter kritisieren Polizei

Eine große "Fetisch-Party", während überall die Infektionszahlen steigen? Nach einem Polizeieinsatz in Berlin wehren sich die Veranstalter des Events - sie sehen sich im Recht.
Alte Münze in Berlin: "Kein Fetisch-Charakter"

Alte Münze in Berlin: "Kein Fetisch-Charakter"

Foto: Peter Meißner / imago images/PEMAX

So klingt eine Meldung, die Klischees über die Hauptstadt bestätigt: "Polizei löst in Berlin Fetisch-Party mit 600 Gästen auf". Während die Corona-Zahlen steigen und steigen, wird in Berlin also Party gemacht. In dunklen Räumen, in Lack und Leder.

Die Berliner Polizei machte das am Samstag auf Twitter öffentlich - mit süffisantem Unterton: "Für ca. 600 Gäste einer Fetisch-Party in #Mitte endete diese vermutlich unbefriedigend." Dazu veröffentlichten sie zwei Bilder, auch ein Beinpaar in Lederriemen war schemenhaft zu erkennen.

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Laut Polizei hatte eine Anwohnerin den Notruf gewählt, da in einem Hinterhof eine Party mit 200 Personen gefeiert werde. Die Beamten hätten dann 500 Gäste vorgefunden und das Ordnungsamt Mitte informiert. Die Behörde habe das Event schließlich aufgelöst.

"Kein Fetisch-Charakter"

Die Veranstalter der Feier haben sich inzwischen zu Wort gemeldet. Felix Richter ist einer der beiden Geschäftsführer der Spreewerkstätten, zu denen die Alte Münze gehört. In dem Innenhof des einstigen Münzprägwerks fand die Party statt. Titel: "Porn by Pornceptual".

Richter sagt, die Feier habe "keinen Fetisch-Charakter" gehabt. Es habe sich um eine Veranstaltung gehandelt, zu der viele Personen der LGBTIQ-Community gekommen seien. "Das mag auf einen Polizisten fremd und befremdlich wirken", sagt Richter. Das Wörtchen Fetisch sei gewählt worden, um die Veranstaltung zu skandalisieren.

Outdoor-Pissoirs

Er sagt, man habe die Vorgaben der Berliner Verordnung eingehalten, sogar Outdoor-Pissoirs habe es gegeben. Die Feier fand laut einer Mitteilung  der Location draußen statt, auf einer Fläche von 3500 Quadratmetern, am Einlass habe man die Temperatur jedes Gastes gemessen, Tickets habe es nur im Online-Vorverkauf gegeben.

Die Veranstaltung sei vom Ordnungsamt aufgelöst worden, weil auf der Tanzfläche kein Mindestabstand eingehalten worden sei. "Wir und viele andere Berliner Veranstalter sind davon ausgegangen, dass bei Freiluftveranstaltungen mit Maskenpflicht auf einer separaten Tanzfläche auf den Mindestabstand verzichtet werden kann", sagt Richter.

Polizeieinsatz in Berlin (Archivbild)

Polizeieinsatz in Berlin (Archivbild)

Foto: Christophe Gateau / dpa

Lutz Leichsenring ist Sprecher der Berliner Clubcommission, in der sich 300 Clubbetreiber und Veranstalter organisiert haben. Er bestätigt: "Im Außenbereich galt: Entweder Abstand oder Maske." Das sei bisher gelebte Praxis gewesen.

Warum das Ordnungsamt die Veranstaltung aufgelöst hat, ist nicht ganz klar. Ein Polizeisprecher sagt, es hätten sich zu viele Leute auf zu engem Raum befunden. Außerdem hätten mehrere Personen keine Maske getragen. Das Amt selbst ließ eine Anfrage dazu unbeantwortet.

Die Veranstalter "Pornceptual" wollten sich auf Anfrage nicht äußern und verwiesen auf eine Mitteilung  im Netz. Man verstehe sich als "politisches/queeres Projekt", ist dort zu lesen.

Keine "Cruising-Area"

Im Gegensatz zu anderen Events habe man auf eine "Cruising-Area" verzichtet, Bereiche also, in denen sich Menschen zu anonymem Sex treffen. Es sei vielmehr um eine Zusammenkunft der Community gegangen.

Ein Mitglied der Polizei habe davon gesprochen, die Gäste "ekelhaft und pervers" zu finden. Ein Vorwurf, den die Polizei laut einem Sprecher prüfen will. Zu dem Begriff "Fetisch" sagte der Polizeisprecher: Auf Twitter sei es um "Eindrücke aus dem Einsatzraum" gegangen. Das Wort sei wohl wegen der Kleidung der Gäste aufgekommen. In der Pressemitteilung zu dem Einsatz später taucht es nicht mehr auf.

Die letzte Feier dieser Art

Zur Frage, warum man in Zeiten explodierender Infektionszahlen Partys veranstalten sollte, sagt der Betreiber der Location, Felix Richter: "Moralisch gesehen kann man darüber diskutieren. Aber solange Open-Air-Veranstaltung genehmigungsfähig sind, wird es sie auch geben."

Auf der Internetseite des Alten Münzwerks heißt es, die Feier sei "ohnehin die letzte Open Air Zusammenkunft" dieser Art gewesen. Es liest sich fast wie eine Entschuldigung.

jpz
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