Berliner Fan-Meile Klinsmänner danken ihren Fans

Jubelnde Fans unter strahlend blauem Himmel: Hunderttausende haben auf der Berliner Fanmeile die deutsche Nationalelf verabschiedet. Die Spieler kickten Bälle ins Publikum und trugen "Danke Deutschland"-Trikots.


Berlin - Hätten sie sich wie Popstars ins Publikum gestürzt, sie wären auf Händen getragen worden: Mehrere Hunderttausende Fans haben sich am Mittag auf der Berliner Fanmeile vor dem Brandenburger Tor versammelt, um die deutsche Nationalmannschaft gebührend zu verabschieden. Auch nach vier Wochen Weltmeisterschaft ist der Enthusiasmus der deutschen Fußballfans noch nicht erloschen. Im Gegenteil: Viele der schwarzrotgold Geschminkten dürften die Party der vergangenen Nacht einfach bis in die Mittagsstunden verlängert haben. Einmal mehr glich die Straße des 17. Juni einem Flaggenmeer.

Die TV-Moderatoren Monica Lierhaus (ARD) und Johannes B. Kerner (ZDF) ließen auf der riesigen Videoleinwand noch einmal die schönsten Momente der WM Revue passieren, und dann wurden die Spieler einzeln auf die große Bühne gerufen, die einem Laufsteg glich. Analog zu den zahlreichen Plakaten der Zuschauer, auf denen der Elf und ihrem Trainer Jürgen Klinsmann für vier begeisternde Fußballwochen gedankt wurde, trugen die Spieler T-Shirts mit der Aufschrift "Danke Deutschland" (vorne) und "Teamgeist 82 Millionen" (hinten). Zur Freude der Fans kickte jeder von ihnen einen Souvenir-Ball ins Publikum.

Bereits seit 9 Uhr am Morgen hatten sich die Anhänger der deutschen Elf zu der Verabschiedungsparty auf Deutschlands größter Fanmeile eingefunden. Zum Auftakt um 12 Uhr sangen die Sportfreunde Stiller auf ausdrücklichen Wunsch der DFB-Elf ihren Song "54, 74, 90, 2006", der in den vergangenen vier Wochen zur Fanhymne geworden war. Am Ende der Feier sang Xavier Naidoo seinen Song "Dieser Weg", den die deutschen Spieler bevorzugt vor den Spielen gehört hatten.

Bundestrainer Jürgen Klinsmann wurde frenetisch bejubelt, als er gemeinsam mit Team-Manager Oliver Bierhoff, Trainer-Assistent Joachim Löw und Torwart-Trainer Andreas Köpcke die Bühne betrat. Gefragt, ob er sich angesichts der vielen Transparente ("Klinsmann muss bleiben") nicht schnell für ein Weitermachen nach der WM entscheiden wolle, gab sich der Stuttgarter so bedeckt wie immer in den letzten Tagen: Die Mannschaft und er müssten jetzt erst einmal "durchschnaufen" und alles "verkraften". Lachend und sichtlich bewegt sagte Klinsmann: "Lasst mir nur ein paar Tage Zeit".

Zum Abschluss der Abschiedsparty sangen David Odonkor, Lukas Podolski und Gerald Asamoah noch eine frei interpretierte Version des Schlager-Klassikers "Marmor, Stein und Eisen bricht".

Die WM-Flaggenbegeisterung der Deutschen soll nach der Fußball-Weltmeisterschaft einem guten Zweck dienen: Die Aktion "Flagge zeigen" bittet darum, gebrauchte WM-Flaggen zu spenden, damit daraus die längste WM-Fahne der Welt genäht werden kann. Diese soll anschließend versteigert werden, der Erlös soll dem Verein "Miteinander - Netzwerk für Demokratie und Weltoffenheit in Sachsen-Anhalt e.V." zu Gute kommen. Erwünscht sind Flaggen aller Länder, die dann zu einer "kilometerlangen Flagge der Freundschaft" zusammengenäht werden sollen. Damit solle "ein Zeichen für den Erhalt der Weltoffenheit und Völkerfreundschaft" gesetzt werden, "wie sie Deutschland während der Fußballweltmeisterschaft im ganzen Land bewiesen hat". Die Fahnen können am kommenden Montag von 10 bis 18 an einem Stand in der Berliner Dorotheenstraße 35 abgegeben werden.

bor/ddp/AP



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