Beschämender Berlusconi Partys, Patzer, Peinlichkeiten

Auf harsche Kritik an seinem mutmaßlichen Interesse an einem minderjährigen Partygirl reagierte Italiens Premier Silvio Berlusconi jetzt mit einer Art Rechtfertigung. Er schaue eben gerne Frauen an, polterte der Politiker, das sei besser "als schwul zu sein".

REUTERS

Rom - Nach harschen Schlagzeilen über rauschende Feste mit einer Minderjährigen hat sich Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi am Dienstag erneut verteidigt - und dabei umgehend weiteren Unmut auf sich gezogen. Weil er eine hohe Arbeitsbelastung habe, schaue er hin und wieder schöne Frauen an und finde dies besser "als schwul zu sein", sagte Berlusconi bei der Eröffnung einer Motorradschau in der Nähe von Mailand. Seine Beziehung zu der jungen Frau sei "von Solidarität" geprägt gewesen, fügte er hinzu.

Die italienische Presse berichtet derzeit ausführlich über eine Marokkanerin namens Ruby, die erst am Dienstag ihren 18. Geburtstag gefeiert und zuvor an ausschweifenden Feiern in Berlusconis Villa in Arcore nahe Mailand teilgenommen haben soll. Sex mit Berlusconi soll sie den Berichten zufolge nicht gehabt haben, allerdings soll der Regierungschef demnach pro Abend 5000 Euro an sie und andere junge Frauen bezahlt haben.

"Berlusconi ist eine Schande für ganz Italien", empörten sich Mitglieder der größten Oppositionspartei PD ("Demokratische Partei") nach der Erklärung des Cavaliere - und forderten seinen Rücktritt . Die Homosexuellen-Organisation Arcigay nannte Berlusconis Aussagen am Dienstag "überflüssig, vulgär und beleidigend nicht nur gegenüber Homosexuellen, sondern auch gegenüber Frauen". Der Oppositionspolitiker Antonio Di Pietro sagte, Berlusconi lebe "noch im Mittelalter".

Selbst Berlusconis Parteigenossin und Gleichstellungsministerin Mara Carfagna (PDL) macht sich offenbar inzwischen Sorgen: "Der Ausspruch Berlusconis ist ein Witz gewesen, aber um unsere Arbeit nicht zunichtezumachen, wäre es besser, wenn sich alle mit Witzen zurückhalten würden", so die 35-jährige ehemalige TV-Moderatorin, die selbst einmal zum Auslöser eines Skandals wurde, als Berlusconi 2007 bei der Verleihung eines Fernsehpreises über sie sagte, wenn er nicht schon verheiratet wäre, würde er sie sofort ehelichen.

Berlusconi geriet in der Vergangenheit mehrfach wegen ausschweifender Partys und angeblicher Affären etwa mit einem Callgirl in die Schlagzeilen. Für Aufregung sorgte auch seine Bekanntschaft mit der damals minderjährigen Noemi. Seine Frau Veronica Lario reichte wegen der Eskapaden die Scheidung ein.

jdl/AFP/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.