Amsterdamer Modell Stadt Essen will Alkoholiker für Bier arbeiten lassen

Alkoholkranke halten die Innenstadt sauber, dafür bekommen sie mehrere Dosen Bier pro Tag: Dieses Modell will die Stadt Essen einführen und damit einen Ansatz aus Amsterdam übernehmen. Schon jetzt regt sich Kritik an dem Vorhaben.
Alkoholiker-Putzkolonne (in Amsterdam): "Diese Menschen bekommen damit eine Aufgabe"

Alkoholiker-Putzkolonne (in Amsterdam): "Diese Menschen bekommen damit eine Aufgabe"

Foto: NICOLAS DELAUNAY/ AFP

Essen - Für Bier, Tabak und ein Taschengeld sollen Alkoholiker in Zukunft einen öffentlichen Platz in der Nähe des Essener Hauptbahnhofs sauberhalten. Ein entsprechendes Projekt plant der Sozialdezernent der Stadt, Peter Renzel. Vorbild der laut "taz" im Mai anlaufenden Aktion ist ein "veegproject" genannter Modellversuch in Amsterdam.

Dort ziehen bereits seit gut einem Jahr 19 schwer alkoholkranke Menschen regelmäßig mit Besen in der Hand durch die Stadt und halten Straßen und Grünanlagen sauber. Im Gegenzug gibt es pro Arbeitstag zehn Euro, eine halbe Packung Tabak und bis zu fünf Dosen Bier. "Diese Menschen bekommen damit eine Aufgabe, einen geregelten Tagesablauf", sagte ein Amsterdamer Bezirkssprecher SPIEGEL ONLINE.

Ebenso wie in der niederländischen Metropole ist das Freibier in Essen ausdrücklich nicht als Arbeitslohn gedacht. CDU-Mann Renzel zufolge ist der Alkohol vielmehr ein Instrument, um die Menschen im Projekt zu halten. "Mit Speck fängt man Mäuse", heißt es in einer Stellungnahme des Sozialdezernenten. Überdies seien die Teilnehmer "ohne Alkohol ... nicht in der Lage, die Arbeit aufzunehmen und durchzuhalten".

Darüber hinaus würden die Reinigungskräfte laut Renzel eine Aufwandsentschädigung bekommen. "Über diesen Betrag können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbstverständlich frei verfügen."

Laut Renzel soll das Amsterdamer Modell als einjähriges Pilotprojekt für den Essener Willy-Brandt-Platz übernommen werden. Es soll dabei einen sogenannten Umfeldmanager geben, "der die Klienten kennt und eine anerkannte Autorität in der Szene ist". Darüberhinaus plant Renzel nach eigener Aussage bis zu zehn Alkoholiker als Reinigungskräfte ein.

Obdachlose sollen mit dem Vorhaben nicht angesprochen werden. "Es geht um ein Arbeitsmarktprojekt für langzeitarbeitslose Menschen, die alkoholabhängig oder chronisch merfachabhängig sind", heißt es in der Stellungnahme. Laut "Rheinischer Post" sollen die Teilnehmer von Suchthilfe und Jobcenter ermittelt werden.

Bereits jetzt regt sich allerdings Kritik an dem Vorhaben. "Es kann nicht sein, dass eine Stadt Schwerstalkoholabhängige ohne nennenswerte Bezahlung für sich arbeiten lässt und dann auch noch mit Suchtmitteln versorgt", zitiert die "taz" etwa den Geschäftsführer der Obdachlosenhilfe linker Niederrhein, Horst Renner.

rls
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