Tiere auf Gnadenhöfen Abgenutzt

Was passiert mit Kühen oder Schweinen, wenn sie mal alt werden? Die Fotografin Isa Leshko zeigt in einem Bildband Nutztiere, die dem Schlachter entkommen sind.

Isa Leshko

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Sie sollten einst Milch oder Eier produzieren und wurden fast geschlachtet. Jetzt ist ihr Fell an manchen Stellen kahl, sind die Augen müde und die Federn zerrupft: Der Bildband "Allowed to Grow Old" von Fotografin Isa Leshko zeigt Porträts von alten Nutztieren, die ihre letzten Lebenstage oder -monate auf Gnadenhöfen, in Tierschutzzentren oder Auffangstationen in den USA verbringen.

Die typischen Bilder, die wir von Kühen, Truthähnen oder Schweinen kennen, zeigen junge Tiere. Leshko macht die Alten sichtbar, diejenigen, die es geschafft haben, zu überleben.

Viele wurden früher einmal misshandelt oder vernachlässigt. Einige wurden auf den Straßen gefunden, nachdem sie auf dem Weg zum Schlachthof geflohen sind. Andere wurden vom Tierkontrolldienst oder einer Tierkontrollbehörde aus tierunwürdigen Situationen gerettet. In selteneren Fällen gaben die Besitzer die Tiere in den Gnadenhöfen ab, weil sie diese nicht mehr versorgen konnten. Dann wurde ihnen ein neues Leben geschenkt.

Preisabfragezeitpunkt:
06.06.2019, 13:23 Uhr
Ohne Gewähr

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Isa Leshko
Allowed to Grow Old: Portraits of Elderly Animals from Farm Sanctuaries

Verlag:
University of Chicago Pr.
Seiten:
126
Preis:
EUR 32,04

In den Tierschutzzentren oder Gnadenhöfen, die Leshko besucht hat, grasen Kühe und Schafe auf offenen Weiden, Schweine suhlen sich im Schlamm, Hühner sitzen entspannt auf einer Stange. Sie dürfen sich frei bewegen, ihrem natürlichen Verhalten nachgehen und erhalten gleichzeitig medizinische Versorgung.

Die Fotografin reiste zu zwölf unterschiedlichen Einrichtungen in den USA. Es dauerte manchmal mehrere Tage, bis die Hunde, Stiere oder Pferde dort sich an sie gewöhnten. "Sie sind sehr vorsichtig gegenüber Fremden", sagt Leshko. Oft verbrachte sie Stunden auf dem Boden neben einem Tier liegend, im Schlamm und in Tierkot, bevor sie ein einziges Bild machen konnte.

Um die Tiere nicht zu verängstigen, arbeitete sie nur mit natürlichem Licht. Leshko fotografierte direkt in der gewohnten Umgebung der Tiere, damit sie sich nicht bedroht fühlten und sich entspannen konnten.

Fotostrecke

7  Bilder
Kühe, Schafe, Ziegen: Sie dürfen alt werden

Die Tiere zu fotografieren, war sehr emotional für Leshko. Sie habe oft geweint, besonders wenn sie erfuhr, was den Tieren widerfahren war. "Ich hoffe, dass die Menschen erkennen, dass die Tiere keine Waren sind, sondern Individuen mit einzigartigen Persönlichkeiten und Emotionen."

Sie sind mal schüchtern und zurückhaltend, mal kontaktfreudig und liebevoll. Manche scheinen Einzelgänger zu sein, einige entwickeln enge Freundschaften mit anderen Tieren und trauern um diese, wenn sie sterben. Leshko suchte nach emotionalen Gesichtsausdrücken, sie fotografierte aus nächster Nähe, um Intimität herzustellen.

Das Projekt war für Leshko eine lebensverändernde Erfahrung, da sie sich von da an nicht nur vegetarisch, sondern vegan ernährte und eine Kampagne gegen tierische Produkte startete. "Ich hoffe, dass die Bilder in diesem Buch zum Nachdenken anregen: darüber, was verloren geht, wenn diese Tiere in ihrer Jugend geschlachtet werden."

Im Video: Gut Aiderbichl - Zufluchtsort für Tiere

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