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12. Oktober 2013, 18:56 Uhr

Limburger Bischof

Tebartz-van Elst verschiebt Rom-Reise

Hickhack um den Limburger Skandalbischof: Franz-Peter Tebartz-van Elst fliegt nach Rom, aber erst in den kommenden Tagen. Ein für den Nachmittag geplanter Flug wurde offenbar storniert. Über seinen Verbleib im Amt soll der Papst bestimmen. "Die Entscheidung liegt in den Händen des Heiligen Vaters."

Limburg/Berlin - Am Flughafen in Frankfurt am Main warteten die Journalisten vergeblich auf Franz-Peter Tebartz-van Elst. Der umstrittene Limburger Bischof habe einen Lufthansa-Flug um 16.35 Uhr nach Rom gebucht, hatte die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" ("FAS") zuvor berichtet.

Von diesen Plänen ist Tebartz-van Elst später offenbar abgerückt. Die "Bild"-Zeitung meldete, dass der Flug storniert worden sei. Der Bischof werde nicht kurzfristig, aber "im Laufe der Woche" nach Rom reisen, sagte ein Bistumssprecher in Limburg am Samstagnachmittag. Der exakte Zeitpunkt sei ihm allerdings nicht bekannt.

Die "FAS" hatte berichtet, der Limburger Bischof wolle mit einer Rom-Reise am Samstag dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, zuvorkommen. Zollitsch reist an diesem Montag nach Rom, wo er im Vatikan zunächst Gespräche mit der Kurie führen will. Voraussichtlich am Donnerstag möchte er dann mit Papst Franziskus über die Situation im Bistum Limburg sprechen. Zollitsch hatte sich am Donnerstag klar von Tebartz-van Elst distanziert.

Der Bischof will nun den Papst über seinen Verbleib im Amt entscheiden lassen. Es sei für ihn selbstverständlich, "dass die Entscheidung über seinen bischöflichen Dienst in Limburg in den Händen des Heiligen Vaters liegt", teilte das Bistum Limburg mit. Tebartz-van Elst sei betroffen von der Eskalation und sehe auch, "dass viele Gläubige im Bistum und darüber hinaus unter der gegenwärtigen Situation leiden". Ein Bischof der römisch-katholischen Kirche kann zwar nicht selbst zurücktreten, laut Kirchenrecht kann er dem Papst aber seinen Amtsverzicht anbieten.

Tebartz-van Elst wird Verschwendung beim Bau der Bischofsresidenz in Limburg vorgeworfen, deren Kosten von ursprünglich veranschlagten 5,5 Millionen Euro auf mindestens 31 Millionen Euro gestiegen sind - die Steigerung war dem Limburger Bischof nach SPIEGEL-Informationen seit Jahren bekannt. Zudem hat die Hamburger Staatsanwaltschaft einen Strafbefehl wegen falscher Versicherung an Eides statt beantragt. Es geht um Aussagen des Bischofs, die er in einem Rechtsstreit mit dem SPIEGEL über einen Flug nach Indien gemacht hatte.

Auch die Haltung des Kölner Kardinals Joachim Meisner zu Tebartz-van Elst sorgt für Irritationen: Die "FAS" hatte berichtet, Meisner habe dem Limburger Bischof seine Unterstützung entzogen. Ein Sprecher Meisners relativierte gegenüber der Nachrichtenagentur dpa, er wisse nicht, wie die Zeitung zu dem Schluss komme, der Kardinal habe sich vom Bischof distanziert. Vielmehr gelte es nun, die Ergebnisse der geplanten Rom-Reise abzuwarten.

Gleichzeitig bestätigte der Sprecher aber indirekt, dass Tebartz-van Elst nicht mehr die uneingeschränkte Unterstützung des Kardinals genießt: "Der Kardinal beobachtet weiterhin die Vorgänge sehr aufmerksam, und das lässt ihn auch nicht unberührt." Meisner sehe, dass nach der Bekanntgabe exorbitant gestiegener Baukosten für die Limburger Residenz und durch den beantragten Strafbefehl "eine neue Lage" eingetreten sei.

Allerdings erneuerte ein ranghoher Vertreter der Kurie seine Unterstützung für den Limburger Bischof. Es handele sich bei den Vorwürfen um eine "Erfindung von Journalisten" und eine "Medienkampagne", sagte der Präfekt der Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, laut "FAS" bei einer Messe am Freitagabend in Rom.

fdi/dpa/AFP

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