Bischofs-Versammlung Zollitsch nennt Papst-Besuch "historisch"

Vier Tage besuchte der Papst Deutschland und gab den Bischöfen im Land mahnende Worte mit auf den Weg. Zum Abschluss ihrer Herbstversammlung sprachen sie dennoch von "wertvollen Impulsen" für ihre Arbeit - und von einem "wahrhaft historischen" Besuch.

Erzbischof Zollitsch: Wertvolle Impulse für die Kirchenarbeit
dapd

Erzbischof Zollitsch: Wertvolle Impulse für die Kirchenarbeit


Fulda - Die katholischen Bischöfe fühlen sich nach der Deutschland-Visite von Papst Benedikt XVI. ermutigt. "Der Besuch des Heiligen Vaters hat die Einheit der Kirche gezeigt und gestärkt", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, zum Abschluss der Herbst-Vollversammlung am Freitag in Fulda. Die "zahlreichen wertvollen Impulse" wolle man aufnehmen und für die Arbeit fruchtbar machen.

Der Besuch des Papstes sei "wahrhaft historisch" gewesen, sagte Zollitsch. Als "Hausaufgaben" habe Benedikt XVI. den Bischöfen die Themen Ökumene, Vertiefung des Glaubens sowie das Bewusstsein und die Verantwortung füreinander und miteinander gegeben.

Ermutigt fühlen sich die Bischöfe auch darin, ihren Dialogprozess fortzusetzen: Bei der nächsten Sitzung des Ständigen Rates wollen sie laut Zollitsch unter anderem über die Einstellung der Kirche zu wiederverheirateten Geschiedenen sprechen. Zum Thema Frauen in der Kirche sagte Zollitsch, man müsse sich dem verpflichtet fühlen, dass Jesus Christus als seine Jünger Männer ausgewählt habe. Man könne aber "durchaus darüber sprechen", ob Frauen als Diakon eingesetzt werden.

Auch der Missbrauchsskandal war Thema auf der Versammlung. Bis Mitte September seien 757 Anträge auf "materielle Anerkennung des Leids" von Opfern eingegangen, sagte der Beauftragte für Fragen des sexuellen Missbrauchs, Bischof Stephan Ackermann. Bei 627 davon habe die Koordinierungsstelle konkrete Empfehlungen ausgesprochen.

"Zweckoptimismus und Schönrednerei"

Zudem gab es eine personelle Änderung: Anstelle von Bischof Heinrich Mussinghoff (Aachen) ist nun der Hildesheimer Oberhirte Norbert Trelle stellvertretender Vorsitzender der Bischofskonferenz.

Die kirchenkritische Volksbewegung "Wir sind Kirche" hat den Bischöfen Zweckoptimismus und Schönrednerei vorgeworfen. Wie sich in zahlreichen E-Mails aus den Gemeinden gezeigt habe, herrsche bei den Menschen große Ratlosigkeit, sagte Christian Weisner, einer der Sprecher der Gruppe. "Der Papst hat in Deutsch geredet und trotzdem bräuchte man Exegeten, um es zu verstehen", kritisierte er.

Es sei fraglich, ob die von den Bischöfen erkannten positiven Ansätze der Papst-Reden in den Gemeinden angekommen seien. Er sprach von einer "Stimmung des Aufbruchs und der Aufruhr in den Gemeinden". Wenn der Dialogprozess innerhalb der Kirche nicht weitergehe, werde sie das "in die Katastrophe" führen.

aar/dpa/dapd

insgesamt 137 Beiträge
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Seite 1
saul7 07.10.2011
1. ++
Zitat von sysopVier Tage besuchte der Papst Deutschland und gab den Bischöfen im Land*mahnende Worte mit auf den Weg. Zum Abschluss ihrer Herbstversammlung sprachen sie dennoch von "wertvollen Impulsen"*für ihre Arbeit*- und von einem "wahrhaft historischen" Besuch. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,790594,00.html
Als ehemaliger Angehöriger der RKK fand ich den Besuch des Oberhirten nur noch peinlich. Ja, in dieser Hinsicht handelte es sich wahrhaftig um einen historischen Besuch: Außer Spesen nischt jewesen...
ThumAndreas 07.10.2011
2. .
Mich hat es schon immer gewundert, wie oft man auf Schlagzeilen wie diese trifft: "X bezeichnet Y als historisch". Liegt es an unserer "Sucht" nach "historischen Ereignissen"? Zollitsch nennt Papst-Besuch "historisch". Was genau soll das nun heißen? Kann mir das mal jemand erklären? Welche Definition von "historisch" legt Zollitsch seiner Behauptung zugrunde? Ist er nach dieser Definition überhaupt befugt, eine solche Aussage zu treffen? Für einen reflektierteren, weniger inflationären oder wenigstens genauer erläuterten Umgang mit dem Wort "historisch"!
Asirdahan 07.10.2011
3. ohne
Historisch sollte man etwas nennen, das die Welt verändert. Das ist hier nicht geschehen. Mahnende Worte kann jedermann aussprechen. Weshalb sollte ich hinhören, wenn der Papst sie sagt? Sind sie dann wertvoller oder richtiger als wenn mein Nachbar sie spräche?
thepunisher75 07.10.2011
4. Ich nenne den Papst und Herrn Zollitsch "historisch"...
Zitat von sysopVier Tage besuchte der Papst Deutschland und gab den Bischöfen im Land*mahnende Worte mit auf den Weg. Zum Abschluss ihrer Herbstversammlung sprachen sie dennoch von "wertvollen Impulsen"*für ihre Arbeit*- und von einem "wahrhaft historischen" Besuch. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,790594,00.html
..im negativen Sinne ! Sie hinken der Zeit hinterher und merken es noch nichtmals. Wahrscheinlich wird die RKK und Herr Zollitsch merken wie total unwichtig sie wirklich sind, wenn ihre Mitgliederzahl in Deutschland noch weiter sinkt ! Im übrigen hat Herr Zollitsch ausser seinem polemischen, im Stile von Herrn Sarrazins, Gelaber, nichts zu sagen ! Genauso wenig wie seine ganze Kirche !
udo46, 07.10.2011
5.
Zitat von saul7Als ehemaliger Angehöriger der RKK fand ich den Besuch des Oberhirten nur noch peinlich. Ja, in dieser Hinsicht handelte es sich wahrhaftig um einen historischen Besuch: Außer Spesen nischt jewesen...
Sehe ich genauso. Und das "Argument" von Herrn Zollitsch bzgl. der Frauenordination ist ja an Heuchelei und Dummdreistigkeit kaum zu überbieten. Mit dem gleichen Argument könnte man die Frauen auch heutzutage noch zum Beispiel von einer akademischen Karriere fernhalten, weil das ja vor fünfhundert oder tausend oder zweitausend Jahren nicht üblich war, dass Frauen studierten. Jesus hätte also in den gleichen Machokategorien gedacht und gehandelt wie seine unterbelichteten Zeitgenossen. Also war er auch nur ein Mensch seiner Zeit, nichts weiter. Dieses Festkrallen am Bibeltext, der ohnehin in grossen Teilen gefälscht bzw. gekürzt ist, dient im Grunde nur der Zementierung überkommener Herrschaftsstrukturen.
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