Kritik an Maßnahmen Bischofskonferenz distanziert sich von Corona-Schreiben

Die Corona-Beschränkungen als "Auftakt zur Schaffung einer Weltregierung"? Katholische Geistliche spekulieren über die Hintergründe der ergriffenen Maßnahmen. Die Bischofskonferenz will sich damit nicht gemein machen.

Ein Schreiben mit dem Titel "Ein Aufruf für die Kirche und für die Welt - an Katholiken und alle Menschen guten Willens" hat für Aufsehen gesorgt. Darin werden die Corona-Maßnahmen scharf kritisiert, mehrere Bischöfe unterzeichneten das Papier. Nun hat sich die Deutsche Bischofskonferenz deutlich davon distanziert.

"Die Deutsche Bischofskonferenz kommentiert grundsätzlich keine Aufrufe einzelner Bischöfe außerhalb Deutschlands. Allerdings füge ich hinzu, dass sich die Bewertung der Corona-Pandemie durch die Deutsche Bischofskonferenz grundlegend von dem gestern veröffentlichten Aufruf unterscheidet", erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing.

In dem umstrittenen Papier heißt es unter anderem: "Es sind Tatsachen, dass unter dem Vorwand der Covid-19-Epidemie in vielen Fällen unveräußerliche Rechte der Bürger verletzt und ihre Grundfreiheiten unverhältnismäßig und ungerechtfertigt eingeschränkt wurden, einschließlich des Rechts auf Religionsfreiheit, freie Meinungsäußerung und Freizügigkeit".

Man habe Grund zu der Annahme, "dass es Kräfte gibt, die daran interessiert sind, in der Bevölkerung Panik zu erzeugen". Auf diese Weise wollten sie dauerhaft "Formen inakzeptabler Freiheitsbegrenzung und der damit verbundenen Kontrolle über Personen und der Verfolgung all ihrer Bewegungen! durchsetzen. "Diese illiberalen Steuerungsversuche sind der beunruhigende Auftakt zur Schaffung einer Weltregierung, die sich jeder Kontrolle entzieht."

Wer sind die Unterzeichner?

Der Aufruf ist eine Initiative des früheren Vatikan-Botschafters in den USA und erklärten Gegners von Papst Franziskus, Erzbischof Carlo Maria Vigano. Zu den Unterzeichnern gehört neben anderen katholischen Geistlichen auch der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller, der von 2012 bis 2017 Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre war. Müller hatte sich zuletzt auch gegen Gottesdienstverbote in der Corona-Pandemie ausgesprochen.

Im Februar hatte Müller die Entscheidungsfindung beim Synodalen Weg der katholischen Kirche mit dem Ermächtigungsgesetz der Nationalsozialisten verglichen und damit Empörung ausgelöst.

Auch die katholische Laienbewegung "Wir sind Kirche" zeigte sich entsetzt darüber, wie verantwortungslos bekannte Kirchenmänner sich zu Handlangern von Verschwörungstheoretikern machen ließen. Die Papst-Gegner machten sich lächerlich und könnten nicht mehr ernst genommen werden, erklärte "Wir sind Kirche" weiter.

vks/dpa