Bistum Trier Papst entlässt Priester wegen sexuellen Missbrauchs

Ein Priester ist seit 1994 wegen sexuellen Missbrauchs vorbestraft, durfte aber weiter in der Kirche bleiben – bis jetzt. Nach Hinweisen von Betroffenen bat er offenbar selbst um seine Entlassung.
Priester mit Rosenkranz (Symbolbild): Entlassung wegen sexuellen Missbrauchs

Priester mit Rosenkranz (Symbolbild): Entlassung wegen sexuellen Missbrauchs

Foto: Jochen Lübke/ dpa

Ein nach Angaben des Bistums Trier mehrfach wegen sexuellen Missbrauchs straffällig gewordener Priester ist aus dem Klerikerstand entlassen worden. Papst Franziskus habe dem Antrag des Priesters im Ruhestand auf Entlassung entsprochen, teilt das Bistum mit .

Es folge kein weiteres kirchliches Strafverfahren gegen den Mann, da er seine Schuld anerkenne und moralisch wie finanziell Verantwortung für schwere Straftaten übernehmen wolle, heißt es. Wie er das konkret tun werde, teilt das Bistum aber nicht mit.

Eine SPIEGEL-Recherche  hatte im vergangenen Dezember das wahre Ausmaß des Missbrauchsskandals in Bistum Trier gezeigt. Kirchenobere hatten mutmaßliche Täter in manchen Fällen geschützt.

Der nun entlassene Priester war 1994 von einem Gericht im Saarland wegen des sexuellen Missbrauchs von Kindern zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Dennoch blieb er im kirchlichen Dienst. Ende der 1990er-Jahre habe er sich bei einem pastoralen Einsatz im Ausland erneut des sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht, so das Bistum.

Konsequenzen folgten aber offenbar erst viel später: Der Priester im Ruhestand durfte den Angaben zufolge nach einem ersten kirchlichen Strafverfahren erst ab 2014 seinen Dienst nicht mehr ausüben und erhielt ein Kontaktverbot zu Kindern und Jugendlichen. Zudem habe er das Gebiet seiner Diözese nicht verlassen dürfen, außerdem seien seine Bezüge gekürzt worden.

Betroffene meldeten sich

Anfang 2022 habe eine kirchenrechtliche Voruntersuchung dann »mehrfachen, teils schweren sexuellen Missbrauch« festgestellt, der sich auf Fälle in den späten 1970er- bis Anfang der 1990er-Jahre beziehe.

Diese Fälle waren erst nach Meldungen von Betroffenen im vergangenen Jahr bekannt geworden, teilt das Bistum Trier mit. Die Staatsanwaltschaft sei informiert worden, habe die Verfahren aber wegen Verjährung eingestellt. Als Nächstes wäre ein kirchliches Strafverfahren angeordnet worden, dem ist der Mann aber mit der Bitte auf Entlassung zuvorgekommen. Die nun erfolgte Entlassung aus dem Klerikerstand bedeute kirchenrechtlich die »weitestgehende Strafe«.

Der Mann war an mehreren Stellen im Bistum Trier tätig gewesen. Zum Bistum Trier gehören rund 1,3 Millionen Katholiken in Rheinland-Pfalz und im Saarland.

Erst am vergangenen Donnerstag war bekannt geworden, dass der Trierer Bischof Stephan Ackermann sein Amt als Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz abgeben wird. Er war im Missbrauchsskandal in Trier in die Kritik geraten. Zuletzt, weil er den Klarnamen einer Missbrauchsbetroffenen gegen ihren Willen in einer Trierer Bistumssitzung öffentlich gemacht haben soll.

ptz/dpa