Blutige Tradition Fischer gehen mit lebenden Hunden auf Haijagd

Auf der französischen Insel La Réunion im Indischen Ozean ist die Jagd ein brutales Geschäft: Hier werfen Fischer lebende Hunde als Haiköder aus. Bei der grausigen Praxis werden den Vierbeinern Angelhaken durch Schnauze und Pfoten gebohrt. Entsetzte Tierschützer schlagen nun Alarm.

Paris - Mit einer auch im Internet verbreiteten Petition an die Ministerin für die Überseegebiete, Brigitte Girardin, versucht die Stiftung "30 Millions d'Amis" der brutalen Tradition ein Ende zu setzen. Zwar handele es sich bei den Tätern um einer Minderheit, die Praxis bleibe jedoch inakzeptabel, heißt es auf der Homepage der Organisation. Den Angaben der Stiftung zufolge leben auf der Insel La Réunion etwa 150.000 herrenlose Hunde, die permanent Opfer von Misshandlungen jeder Art werden.

Erst am Wochenende hatte ein Junge bei Sainte-Marie einen als Köder präparierten Welpen gefunden. Er hatte den Hund von mehreren Angelhaken befreit und zum Tierarzt gebracht. Die Familie des Retters will den Hund jetzt adoptieren. Die meisten Fälle würden gar nicht bekannt, erklärte eine Sprecherin der Tierschutzvereinigung SPA. Meist würden größere Hunde als Haiköder verwendet. "Wir haben aber auch schon sechs Monate alte Katzen mit Angelhaken gehabt", erklärte SPA-Vizepräsidentin Marie-Annick Chantrel der Internetzeitung von La Réunion "Clicanoo".

Wie im übrigen Frankreich gelten auch auf der Insel im Indischen Ozean die französischen Tierschutzgesetze. Wer Hunde als lebende Köder einsetzt, riskiert bis zu zwei Jahren Haft. Im März 2004 war ein Fischer aus Saint-Paul zu drei Monaten auf Bewährung und 450 Euro Bußgeld verurteilt worden, weil er einem Hund mehrere Angelhaken in die Haut gebohrt hatte. Doch in der Praxis gibt es kaum Verurteilungen: Wer nicht auf frischer Tat erwischt und angezeigt wird, dem ist die Tat kaum nachzuweisen.