Blutiges Glaubensritual am Karfreitag Philippiner lassen sich ans Kreuz nageln

Mit einem Hammer wird dem Jesus-Darsteller ein Stahlnagel durch die Handfläche getrieben. Blut spritzt. Fünf Minuten hängen die so gekreuzigten in der glühenden Sonne. Seit Jahren gibt es dieses bizarre Ritual in Cutud. Extreme Frömmigkeit - oder profaner Geschäftssinn?


Manila - Weltweit gedenken Christen am Karfreitag dem Opfertod Jesu Christi. Doch nirgendwo hat das Glaubensbekenntnis solch extreme Formen wie hier: Sieben Männer haben sich am Karfreitag in einem kleinen Dorf auf den Philippinen ans Kreuz schlagen lassen. Zunächst wurden zehn Zentimeter langen Nägel in Alkohol getränkt. Dann wurden die Männer an Handflächen und Füßen an die Holzkreuze genagelt.

Um schwere Verletzungen zu vermeiden wurden sie zuvor mit Bändern an die Querbalken der Kreuze gebunden. Anschließend hingen die so ans Kreuz genagelten fünf Minuten in der sengend heißen Sonne.

Seit mehr als zwei Jahrzehnten spielen die Gläubigen in Cutud, einer Ortschaft 75 Kilometer nördlich von Manila, am Karfreitag die Kreuzigung nach. Die Dorfbehörden haben aus dem Ritual inzwischen ein blühendes Geschäft gemacht.

Kreuzigungstouren für Schaulustige

Der Tourismusverein bietet voll organisierte Kreuzigungstouren an und hat neben dem Hügel eigens eine Plattform für zahlungskräftige Touristen aufgebaut. Die katholische Kirche kritisiert das Spektakel zwar offiziell, hat nach Ansicht von Kritikern aber bislang wenig getan, um es zu unterbinden.

Der 46-jährige Ruben Enaje ließ sich zum 21. Mal kreuzigen. "Das ist meine Andacht, und ich habe vor, es so lange zu machen, wie ich kann", sagte er Reportern. Unter den sieben Männern war auch der 51-jährige Rolando Ocampo, der seit 17 Jahren an der schmerzhaften Prozedur teilnimmt. Er habe damit angefangen, als seine Frau Schwangerschaftskomplikationen hatte. Damals habe er geschworen, jedes Jahr daran teilzunehmen, wenn sein Kind gesund auf die Welt komme und seine Frau überlebe, sagte er im Lokalfernsehen. 85 Prozent der Philippiner sind katholisch.

Kreuzigungen in der Antike - barbarische Hinrichtungsform

Die Show-Kreuzigungen auf den Philippinen sehen grausam aus. Und sonderlich angenehm ist es für die Passions-Spieler sicherlich nicht, sich Nägel durch die Hände und Füße schlagen zu lassen. Doch mit den Kreuzigungen des Altertums hat das Spektakel in Cutud wenig gemein.

Kreuzigungen waren im Römischen Reich über Jahrhunderte eine gängige Form der Hinrichtung. Tausende wurden wie Jesus Christus ans Kreuz geschlagen, wenn ein Gericht sie zum Tode verurteilt hatte. In der Internet-Enzyklopädie Wikipedia wird detailliert beschrieben, welche unfassbaren Qualen die Gekreuzigten ertragen mussten.

Die römische Hinrichtungsmethode sollte einen dazu Verurteilten absichtlich besonders langsam und grausam töten. Es konnte Tage dauern, bis sein Tod eintrat. Das möglichst lange qualvolle Sterben der Gekreuzigten sollte Beobachter demütigen, einschüchtern und abschrecken.

Zumeist wurde ein Querbalken an einem Baum als Kreuz benutzt. Die Beine des Verurteilten wurden auf einen kleinen Querbalken gestellt, um zu erreichen, dass er nicht durch sein eigenes Gewicht zu sehr nach unten gezogen und ohnmächtig würde. Dem gleichen Zweck diente ein Sedile genanntes Querholz auf halber Höhe, auf dem der Gekreuzigte sein Gesäß abstützen konnte.

Das Annageln geschah so, dass der Blutverlust gering gehalten wurde. Man trieb die Nägel nicht durch die Stellen am Handgelenk, wo sich die Pulsarterien befinden, sondern weiter außen. Wurde nur genagelt, so musste der Nagel zwingend zwischen Elle und Speiche platziert werden. Auch die Nagelung der Hände wurde praktiziert: Wurden die Handgelenke am Balken festgebunden, war eine zusätzliche Nagelung in der Handfläche durchaus vorstellbar, um weitere Schmerzen beim Bewegen der Hände zu verursachen.

Oft wurde dem Gekreuzigten noch mittels eines Schwammes über mehrere Tage etwas Wasser verabreicht, um ihn über längere Zeit am Leben zu erhalten und seine Qualen zu verlängern. Es gibt Berichte darüber, dass Angehörige die Henker bestachen, dem Gekreuzigten die Beine zu brechen, um den Tod durch Ersticken zu beschleunigen, da er sich dann nicht mehr abstützen konnte.

Üblicherweise ließen die Römer den Leichnam am Kreuz hängen, bis seine Teile nach völliger Verwesung selbst herunterfielen, schreiben die Autoren des Wikipedia-Eintrages.

wob/Reuters/Wikipedia/dpa



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