Graffiti-Kunst in Bogotá Biebers Vermächtnis

Nach einem Konzert in Bogotá ließ sich Justin Bieber von der Polizei begleiten, um Graffiti an eine Wand zu sprühen. Einheimische Sprayer dagegen wurden stets verfolgt. Seitdem hat sich einiges getan, die Straßenkunst boomt.

AP

Bogotá - Als Popsänger Justin Bieber sich nach einem Konzert in Bogotá mit Graffiti an einer Betonwand verewigte, stieß das einheimischen Sprayern übel auf. Nicht, weil der Weltstar unter anderem eine seltsame Freiheitsbotschaft sprühte, sondern weil er von einer Polizeieskorte begleitet und beschützt wurde - während die kolumbianischen Graffiti-Künstler mit Verfolgung durch die Behörden rechnen mussten.

Biebers Spray-Session ist nun anderthalb Jahre her, und die lokalen Sprayer wollen sich seit dem Vorfall nicht mehr von der Polizei einschüchtern lassen. Die Graffiti-Szene hat einen regelrechten Boom erfahren. "Wir hoffen, dass es weiterhin Graffiti gibt, dass es dynamisch bleibt", sagte Claritza Ruiz, die Kultusministerin der Stadt, zu der Nachrichtenagentur AP.

Bogotás Graffiti-Künstler haben diese Unterstützung nicht immer erhalten. Lange mussten sie sich davor fürchten, festgenommen oder bestraft zu werden, sollten Polizisten sie erwischen. 2011 wurde die Szene erschüttert, als ein Sprayer von einem Beamten erschossen wurde. Daraufhin kam der neu gewählte Bürgermeister Gustavo Petro den Sprayer entgegen, mehrere öffentliche Gebäude wurden für Sprühkunst zur Verfügung gestellt.

Biebers Ausflug in die Kunstwelt brachte dann weitere Aufmerksamkeit für die Szene. Bogotás Polizeichef Rodolfo Palomino sagte: "Wir müssen uns entwickeln. Graffiti ist der Ausdruck eines Gefühls, der Motivation". Die lokalen Sprayer nahmen ihn beim Wort und verlangten fortan den gleichen Respekt, den Bieber erhalten hatte - offenbar mit Erfolg.

"Es herrscht jetzt mehr Ruhe zwischen uns und der Polizei", zitierte die "Washington Post" bereits wenige Wochen nach dem Bieber-Zwischenfall einen 30 Jahre alten Sprayer. "Wir fühlen, dass wir jetzt etwas mehr Macht haben." Das "Bieber-Drama" habe geholfen, Straßenkunst in der Stadt zu legitimieren, sagte ein anderer.

Mehr als 5000 Graffiti zieren die Stadt mittlerweile, darunter Bilder von berühmten Persönlichkeiten wie Kolumbiens ehemaligem Präsidenten Álvaro Uribe oder Schriftsteller Gabriel García Márquez. Touristen können sich mittlerweile sogar für Stadtführungen durch die Graffiti-Welt anmelden.

kis/AP

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