Bombe am Times Square Ermittler untersuchen intensiv Spuren ins Ausland

Sitzen die Hintermänner des Anschlagsversuchs in New York womöglich wirklich im Ausland? Die "Washington Post" berichtet mit Verweis auf US-Regierungsinsider, eine Verschwörung mit internationalen Verbindungen gelte als immer wahrscheinlicher. Die Polizei veröffentlichte Überwachungsvideos.

AFP

New York - Die Ermittler in den USA verfolgen nach dem gescheiterten Autobombenanschlag am Times Square viele Spuren - und offenbar weist inzwischen manches auf internationale Verbindungen der Hintermänner hin. Die "Washington Post" zumindest schreibt mit Verweis auf Informanten in der Regierung, der Attentatsversuch scheine von mehreren Menschen koordiniert worden zu sein, die Verbindungen ins Ausland hätten.

Details wurden nicht bekannt. Doch die Zeitung zitierte einen Regierungsinsider, der ein Gespräch mit Geheimdienstbeamten so wiedergab: "Es sollte einen nicht verwundern, wenn ein Verbindungsglied ins Ausland gefunden wird. Sie schauen sich gerade ein paar verräterische Anzeichen näher an und sagen, dass es in diese Richtung geht." Die Informanten der "Washington Post" wiesen allerdings darauf hin, dass selbst in diesem Fall nicht al-Qaida oder eine andere Terrorgruppe dahinter stecken müssten.

Heimatschutz-Ministerin Janet Napolitano sagte bei NBC, dass bisher keine Verdächtigen oder Tattheorien ausgeschlossen werden könnten: "Alle Spuren müssen verfolgt werden." Justizminister Eric Holder zufolge verfolgen die Ermittler neben dem Videoband einige weitere Spuren und haben "substantielle Fortschritte" bei der Fahndung nach dem Täter gemacht. Es sei aber noch zu früh, um sich auf in- oder ausländische Täter festzulegen. Das Weiße Haus stuft den Vorfall inzwischen als terroristische Attacke ein. Das gab Sprecher Robert Gibbs am Abend bekannt.

In einem Internet-Video vom Sonntag hatte sich eine pakistanische Talibangruppe dazu bekannt und ihn als Vergeltung für den Tod zweier Islamistenführer im April bezeichnet. Diese Angaben wurden von einem Sprecher der Gruppe, Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP), dementiert. "Wir haben darüber keine Informationen", sagte Azam Tariq. "Soweit ich weiß, hat niemand von unseren Leuten es ins Netz gestellt."

Video des Mannes im roten T-Short veröffentlicht

Die New Yorker Polizei hofft nun, dem oder den Tätern mit Hilfe der Bevölkerung auf die Spur zu kommen. Sie veröffentlichte ein Video mit einem etwa 40 Jahre alten weißen Mann, nach dem seit Sonntag gesucht wird. Der Film einer Überwachungskamera wurde von allen größeren Fernsehstationen ausgestrahlt. Zu sehen ist ein schlanker Mann mittlerer Größe, der mitten im Straßenverkehr sein Hemd auszieht, in eine Tasche steckt und dann in dem roten T-Shirt darunter weitergeht - wenige hundert Meter vom Tatort entfernt. Er schaut sich nervös immer wieder um, als wolle er sicherstellen, dass ihn niemand beobachtet. Von dem Mann im roten T-Shirt existiert nach Polizeiangaben möglicherweise auch eine Nahaufnahme, die ein Tourist auf dem Times Square aufgenommen hat. Allerdings ist nicht klar, inwieweit der Mann etwas mit dem Anschlag zu tun hat.

Ermittler kündigen Veröffentlichung von neuem Video an

New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg sagte am Montag dem Sender ABC, es bestehe "eine hohe Wahrscheinlichkeit", dass der Drahtzieher des fehlgeschlagenen Autobombenanschlags gefasst werde. Die Person auf dem Band könne aber auch durch unglückliche Umstände zu einem Verdächtigen geworden sein: "Es gibt Millionen von Menschen, die über den Times Square gehen. Vielleicht hat er etwas damit zu tun, aber es gibt auch eine sehr gute Chance, dass dem nicht so ist."

New Yorks Polizeichef Raymond Kelly sagte der "Washington Post", die Ermittler wollten bald ein weiteres Video veröffentlichen. Darauf rennt eine Person "auf dem Broadway in nördliche Richtung" - fast genau in dem Moment, in dem die Polizei wegen des qualmenden Autos alarmiert wurde. Die Fahnder würden diesen Menschen gerne identifizieren und mit ihm sprechen, sagte Kelly.

Die Ermittler haben inzwischen den Eigentümer des Nissan Pathfinders ausfindig gemacht, in dem die Bombe deponiert war. Eigenen Angaben zufolge sprachen sie mit dem Besitzer - er wird jedoch nicht als Verdächtiger eingestuft. Weitere Details zu der Person oder ihren Aussagen gab die Polizei jedoch nicht bekannt.

Bombe hätte einen "beträchtlichen Feuerball" erzeugen können

Der oder die Täter hatten am Samstagabend gegen 18.30 Uhr Ortszeit einen Geländewagen mit laufendem Motor am Times Square abgestellt und das Weite gesucht. Die Zündung der in dem Fahrzeug versteckten Bombe wurde offensichtlich aktiviert - der Sprengsatz aber nicht zur Explosion gebracht. "Wir haben großes Glück, dass sie nicht in die Luft gegangen ist", sagte Kelly. Zehntausende Menschen hielten sich auf dem mehrere Straßenzüge langen Platz inmitten im Theaterviertel von Manhattan auf, als aufmerksame Straßenverkäufer Qualm aus dem parkenden Auto dringen sahen. Die Polizei wurde informiert, ein Bombenteam konnte den Sprengsatz entschärfen.

Er bestand laut Kelly aus Materialien, "die überall zu bekommen sind". Ein Behälter mit Feuerwerkskörpern sei an zwei Wecker angeschlossen gewesen. Eine der Uhren war auf Mitternacht gestellt. Der Behälter habe zwischen zwei Benzinkanistern mit zusammen etwa 19 Litern Treibstoff gestanden. Von ihnen führten Drähte zu drei Propangasflaschen und einem Waffenkasten. In dem Kasten waren mehrere Säcke mit einem nicht-explosiven Düngemittel. Dennoch hätte die Bombe einen "beträchtlichen Feuerball" erzeugen und Menschen töten können, sagte Kelly.

Neue Informationen über den Geländewagen

Der bei dem Anschlagsversuch verwendete Geländewagen wurde offenbar vor wenigen Wochen im US-Bundesstaat Connecticut gegen Bargeld verkauft. Nach Angeben der "New York Times" konnte sich der vorherige Besitzer jedoch nicht an den Namen des Käufers erinnern. Einen Vertrag habe es nicht gegeben, so das Blatt.

US-Präsident Barack Obama lobte die "schnelle und entschlossene" Reaktion in New York auf den Anschlagsversuch. Die US-Regierung werde alle nötigen Schritte unternehmen, um die Bevölkerung zu schützen, das Verbrechen aufzuklären und dafür zu sorgen, "dass der Gerechtigkeit Genüge getan wird".

wit/AP/dpa

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Der Pragmatist 04.05.2010
1. Wer war's?
Zitat von sysopDie Polizei sucht wegen des gescheiterten Autobombenanschlags in New York mit Hochdruck nach einem Mann in rotem T-Shirt. Sie veröffentlichte Aufnahmen einer Überwachungskamera, die den Verdächtigen zeigen. Ein zweites Video soll weitere Hinweise liefern - das Weiße Haus stuft den Vorfall als terroristische Attacke ein. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,692794,00.html
Wenn solche Attentate geschehen, ist mein ertser Gedanke immer sofort: Moslems. Man versucht es immer tagelang zu vertuschen und redet herum, als ob es sich um eine kleine Probe aus dem Physikunterricht einer Schule handelt und schlussendlich kommt es immer wieder auf den gleichen Nenner. Warten wir noch ein paar Tage und ich waere wirklich sehr ertsaunt, wenn sich mein ertser Verdacht nicht bestaetigen sollte, denn 99,9 % aller Attentate dieser Art fallen nur auf eine Taetergruppe zurueck. "Normale Menschen" versuchen nicht, hunderte Unschuldiger mitten auf dem Time Square zu vebrennen. Nur eine ueble und menschverachtende Ideologie kann so etwas verursachen. Pragmatist
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