Boris Becker zu rassistischem AfD-Tweet "Es ist Zeit, auf die Straße zu gehen"

Boris Becker hat emotional auf die Beschimpfung seines Sohnes reagiert: Rassismus dürfe nicht länger hingenommen werden, schrieb er in einem Gastbeitrag. Noah Becker hat indes Strafanzeige erstattet.
Boris (l.) und Lilly Becker, Sohn Noah Becker (r.)

Boris (l.) und Lilly Becker, Sohn Noah Becker (r.)

Foto: Markus Schreiber/ AP

Nach den Beschimpfungen aus den Reihen der AfD gegen seinen Sohn Noah hat Boris Becker zum Kampf gegen Rassismus aufgerufen. In einem Gastbeitrag für die "Welt am Sonntag" schrieb der Ex-Tennisstar: "Es ist Zeit, aufzustehen, den Finger zu heben und auf die Straße zu gehen. Hier und auf der ganzen Welt."

Noah Becker, Maler, DJ und Sohn von Tennislegende Boris Becker, war über den Twitter-Account des AfD-Abgeordneten Jens Maier rassistisch beschimpft worden. Der Kommentar wurde später gelöscht. Maier selbst gab an, der Tweet sei nicht von ihm, sondern von einem Mitarbeiter abgesetzt worden.

Er zweifle daran, dass ein Mitarbeiter Maiers den Tweet abgesetzt hätte, schrieb Boris Becker weiter. "Das tun sie bei der AfD doch immer, das ist ihre Masche. Irgendetwas in die Welt setzen und sich dann davon distanzieren." Der AfD-Politiker sage solche Dinge weder aus Dummheit noch aus Angst - er wisse genau, was er tue. Maiers Wähler würden dessen Worte aufsaugen und er bediene diese perfekt.

Seinen Sohn habe das Ganze "schon ziemlich hart getroffen". Er sei aber erstaunt gewesen, wie aufgeräumt er auf eine solche Aussage reagiert habe. "Da hat er mir in seinen jungen Jahren einiges voraus, ich bin bei diesem Thema deutlich emotionaler." Noah wolle dem Hass mit noch mehr Liebe begegnen - "ich fordere erst einmal Konsequenzen".

Noah Becker stellt Strafanzeige gegen Maier

Konsequenzen fordert aber auch sein Sohn Noah. Er geht juristisch gegen Maier vor: Bereits am vergangenen Mittwoch habe er "wegen aller hier in Betracht kommenden Delikte" Strafanzeige erstattet sowie Strafantrag gestellt, teilte sein Anwalt Christian-Oliver Moser laut der Nachrichtenagentur dpa mit.

Zudem sei der AfD-Politiker zur Abgabe einer Unterlassungserklärung aufgefordert worden, "um eine derartige rassistische Beleidigung in Zukunft auszuschließen", hieß es. Die für Freitag gesetzte Frist habe Maier aber "ohne jede Reaktion" verstreichen lassen. Daher wolle er "zeitnah auch die Zivilgerichte bemühen", sagte Moser.

Boris Becker machte deutlich, dass Maiers Handeln entsprechende Folgen haben müsse und forderte eine klare Haltung gegen derlei Aussagen: Rassismus dürfe einfach nicht länger hingenommen werden, schrieb er. Niemand werde bestraft, niemand müsse büßen, und am Ende werde das Thema totgeschwiegen. "Damit muss endlich Schluss sein! Bei diesem Thema gibt es keine Grauzone. Wir haben doch nun wirklich aus unserer Vergangenheit gelernt."

kry/dpa/AFP
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