Brände in Australien Zehntausende fliehen - Victoria ruft Katastrophenalarm aus

Australiens Süden rüstet sich für einen schlimmen Samstag: Vor der neuen Brandwelle versuchen viele Menschen, in Sicherheit zu gelangen. Premier Scott Morrison wurde von Betroffenen hart angegangen.
Feuerwehreinsatz in New South Wales: Am Wochenende werden extreme Bedingungen erwartet

Feuerwehreinsatz in New South Wales: Am Wochenende werden extreme Bedingungen erwartet

Foto: AP

Der Jahreswechsel war hart, dieser Samstag könnte noch härter werden. Mit dieser Botschaft haben sich die australischen Behörden an die Bewohner und Touristen in den besonders betroffenen Gebieten im Südosten des Landes gewandt. Zugleich versuchen Zehntausende Menschen, sich vor den Buschfeuern in Sicherheit zu bringen.

Zuvor hatte der Premier des Bundestaates Victoria, Daniel Andrews, den Katastrophenalarm ausgerufen. Das ermöglicht es den Rettungskräften vor Ort, Anwohner im Notfall auch mit Zwangsmaßnahmen zur Aufgabe ihrer Häuser zu bringen. Mehrere der zehn Todesopfer seit Montag in Victoria und New South Wales (NSW) hatten zuvor versucht, ihr Eigentum gegen die Flammen zu verteidigen. 28 Menschen werden allein in Victoria noch vermisst, manche abgelegenen Häuser sind derzeit nicht zu erreichen.

"Wer kann, muss die betroffenen Orte verlassen. Nicht nur wegen der eigenen Sicherheit. Sondern auch mit Blick auf die Sicherheit der Rettungskräfte, die sonst zu Hilfe kommen müssten", sagte Andrews.

Am Freitag brachten niedrigere Temperaturen und abflauender Wind eine kurze Phase der Entspannung - und Zeit für weitere Evakuierungsmaßnahmen. Bis Samstag haben Touristen Zeit, ein Banngebiet an der Küste zu verlassen. Auf den wenigen Zufahrtsstraßen bildeten sich lange Staus. Die Eile ist nötig, denn für den Samstag sind katastrophale Wetterbedingungen für Südostaustralien vorhergesagt: Temperaturen jenseits der 40 Grad und - noch schlimmer - starke und böige Winde aus unterschiedlichen Richtungen. Das macht die Brände unberechenbar und die Arbeit der Feuerwehrleute schwierig bis unmöglich.

Im Video: "Wir hatten kein Benzin, keinen Strom, keinen Telefonempfang"

SPIEGEL ONLINE

Andrew Crisp, der die Rettungskräfte in Victoria koordiniert, fand im Sender ABC News klare Worte: "Jetzt ist die Gelegenheit, rauszukommen, Es sind nicht nur die Feuer, die wir schon bekämpfen. Es sind auch die Feuer, die noch neu hinzukommen könnten."

Mit dem Kriegsschiff aus dem Gefahrengebiet

An der Grenze von New South Wales und Victoria, im Städtchen Mallacoota, läuft derzeit eine ungewöhnliche Rettungsaktion. Die Straßen in den Urlaubsort sind unpassierbar, und rund 4000 Bewohner und Touristen harren seit Tagen am Strand aus. Nun hat die australische Marine rund tausend von ihnen mit zwei Kriegsschiffen in Sicherheit gebracht. Die H.M.A.S "Choules" und "Sycamore" nahmen die Menschen an Bord. Zahlreiche weitere Personen wurden per Hubschrauber ausgeflogen.

Kriegsschiff an der Küste von Victoria: Extreme Bedingungen für die Retter

Kriegsschiff an der Küste von Victoria: Extreme Bedingungen für die Retter

Foto: Helen FRANK / ROYAL AUSTRALIAN NAVY / AFP

Für Premier Scott Morrison wird die Krise immer mehr auch zum politischen Problem, die Kritik an seinem Umgang mit den massiven Buschfeuern wächst. In der Stadt Cobargo (NSW) wurden zahlreiche Bewohner sehr deutlich, als der Politiker den von Feuern schwer betroffenen Ort besuchte. Von "Idiot" bis "Schämen Sie sich" war alles dabei. Videos zeigen Anwohner, die sich weigern, dem Premier die Hand zu schütteln.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Morrisons konservative Regierung verfolgt einen sehr industriefreundlichen Kurs, vor allem gegenüber der Kohlebranche. Rufe nach einem stärkeren Kampf gegen die Klimaerwärmung wies Morrison vor Weihnachten zurück - während sein Land brannte. Selbst in der eigenen Partei scheint der Rückhalt langsam zu bröckeln. Der ebenfalls konservative Transportminister Andrew Contance sagte im Sender Channel 7 über die Vorfälle von Cobargo: "Die Anwohner haben ihm vermutlich den Empfang beschert, den er verdient."

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Anthony Albanese, Chef der oppositionellen Labour-Partei erklärte: "Menschen sitzen in Rettungswesten am Strand und warten auf Evakuierung. Das sind Szenen, wie wir sie sonst nur aus Kriegsgebieten kennen. Was hier passiert, ist nicht normal."

Hilfe aus anderen Staaten in Australien eingetroffen

Während die australische Regierung also unter Druck steht, beweisen andere Länder Solidarität mit dem Kampf der australischen Feuerwehrleute. Aus den USA und Kanada trafen zuletzt 39 weitere Brandbekämpfer (100 insgesamt) in Melbourne ein, Neuseeland schickte 22 weitere Kräfte (157 insgesamt).

Feuerwehrleute aus den USA und Kanada in Melbourne

Feuerwehrleute aus den USA und Kanada in Melbourne

Foto: JULIAN SMITH/EPA-EFE/REX

Einen halbwegs positiven Ausblick immerhin bietet die Wetterkarte: Ist der Samstag erst einmal überstanden, sollen zumindest die folgenden Tage voraussichtlich weniger schlimmere Bedingungen bringen.

jok/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.