Brandenburg Flüchtlinge aus Lastwagen verschwinden aus Erstaufnahme

In einem türkischen Lkw brachten Schleuser 50 Flüchtlinge nach Brandenburg. Jetzt sind 48 von ihnen aus einer Erstaufnahme-Einrichtung verschwunden.

Der Lkw, mit dem die Flüchtlinge nach Deutschland geschleust wurden
DPA

Der Lkw, mit dem die Flüchtlinge nach Deutschland geschleust wurden


Am Samstag stoppte die Polizei auf der A12 nahe Frankfurt (Oder) an der polnischen Grenze einen Lastwagen mit türkischer Zulassung. Im Laderaum befanden sich 50 illegal eingereiste Menschen. Die Flüchtlinge, darunter 17 Kinder, hatten keine Pässe und stammten laut eigenen Angaben aus dem Irak. Der türkische Lkw-Fahrer und sein aus Syrien stammender mutmaßlicher Helfer wurden unter Schleuserverdacht festgenommen.

Jetzt berichtet der Leiter einer Erstaufnahmestelle in Eisenhüttenstadt, 48 der Migranten seien nicht mehr auffindbar. Bei einer Zimmerkontrolle seien nur ein Erwachsener und ein Minderjähriger angetroffen worden, sagte Frank Nürnberger dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB). Der Leiter der Zentralen Ausländerbehörde in Eisenhüttenstadt geht davon aus, dass die Menschen auf eigene Faust zu Verwandten und Bekannten in anderen Orten Deutschlands weiterreisen, um dort Asyl zu beantragen.

Wann genau die Männer, Frauen und Kinder verschwanden, sei unklar, so Nürnberger weiter. Es gebe ungesicherte Informationen, wonach Menschen in Autos mit Bielefelder Kennzeichen eingestiegen seien.

Einer Überprüfung zufolge hatte ein Großteil der Migranten Wochen zuvor in Rumänien und Bulgarien Asylanträge gestellt. Laut Dublin-Abkommen, das die Migrationspolitik der EU regelt, sind diejenigen Länder für Asylanträge zuständig, in denen die Antragsteller erstmals registriert werden. Die Bundesregierung setzte die Regelung auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise im Jahr 2015 teilweise aus.

Organisierte Schleuserbanden am Werk

"Wir gehen davon aus, dass hinter der Schleusung eine Bandenstruktur steckt", sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder). Die Behörde prüft, ob es Zusammenhänge zu ähnlichen Einschleusungen in jüngerer Zeit im deutsch-polnischen Grenzgebiet gibt.

Erst vor fünf Tagen hatte die Bundespolizei im sächsischen Bad Muskau 40 eingeschleuste Iraker in Gewahrsam genommen. Sie sollen mit einem Lastwagen von der Türkei nach Leknica an der polnisch-deutschen Grenze gebracht worden sein.

Im Zeitraum von Januar bis August 2017 sind laut Angaben der Bundespolizei an der deutsch-tschechischen Grenze etwa 2600 und an der deutsch-polnischen Grenze etwa 1400 Menschen unerlaubt eingereist. "Ein signifikanter Anstieg der Feststellungen ist aktuell weder an der deutsch-polnischen noch an der deutsch-tschechischen Grenze zu beobachten", teilte die Behörde mit. "Bislang liegen hier keine Erkenntnisse zu einer Routenverlagerung vor."

ala/dpa/AFP



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