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Nelson Paviotti Brasiliens größter Fan

Socken, Anzüge, Autos - und jetzt sogar das Essen: Bei Nelson Paviotti ist alles grün und gelb. Der Brasilianer lebt seit 20 Jahren in den Landesfarben. Hintergrund ist der Titelgewinn der Seleção bei der WM in den USA.

Wenn Nelson Paviotti in seinem VW-Käfer durch die Straßen von São Paulo tuckert, ist ihm Aufmerksamkeit sicher. Das liegt aber nicht am böllernden Klang, den der deutsche Boxermotor seiner alten Kiste verleiht, sondern daran, dass Paviotti sein Auto in den brasilianischen Landesfarben lackiert hat. Auf alle vier Seiten ist die Flagge gemalt. Auf dem Dach sind große Lautsprecher montiert. Bei jeder Fahrt ertönt die Nationalhymne - und das in voller Lautstärke.

Die meisten Passanten winken ihm zu und freuen sich. Manche schütteln den Kopf, andere winken ab. Wer ihn zum ersten Mal sieht, muss denken: Ich glaub, ich sehe nicht richtig.

Das Spektakel geht aber erst so richtig los, wenn Paviotti aus dem Käfer steigt. Heute trägt er ein grünes Jacket mit gelben Ärmeln und weiß-blauem Revers, dazu eine gelbe Hose und ein gelb-blaues Hemd. Ein gelber Hut mit grünem Band und Schuhe aus grünem, blauen und gelbem Leder komplettieren das Outfit. Selbst die Socken sind gelb.

Der 63 Jahre alte Rechtsanwalt aus Campinas in der Nähe der Metropole São Paulo trägt ausschließlich Kleider in den brasilianischen Landesfarben. Viel Gelb und Grün, ein wenig Blau und Weiß. Zum Halbfinale der Seleção gegen Deutschland (22 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) will sich Paviotti besonders herausputzen. Doch er trägt die Landesfarben nicht nur während der WM, sondern an jedem Tag - und das seit 20 Jahren, so erzählt er es zumindest.

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Brasilien-Fan Paviotti: Ein Leben in Grün und Gelb

Foto: Marc Schäfer

Während der WM 1994 verkündete Paviotti demnach lauthals, nur noch Gelb und Grün zu tragen, wenn Brasilien in den USA Weltmeister wird. Als der Italiener Roberto Baggio im Finale im Elfmeterschießen seinen Strafstoß verschoss und Brasiliens Kapitän Dunga wenig später den Pokal präsentierte, begann Paviottis Leben in den Landesfarben.

"Meine Liebe für mein Land"

Mittlerweile versteht er sich als Patriot. Aus dem Versprechen von damals ist eine Mission geworden. "Die Kleidung zeigt meine Liebe für mein Land. Sie steht für meine Hoffnung, dass wir aus unserer Heimat mehr machen als bisher", sagt er. Am Anfang sei alles ein Spaß gewesen, aber sein Gefühl für Brasilien sei auf diese Weise größer geworden. "Ich fühle mich wie eine Flagge und werde immer damit weitermachen", meint er stolz.

Zur WM hat der leidenschaftliche Fußballfan sein Wohnhaus entsprechend renoviert. Rund 100 Flaggen hängen in dem zweistöckigen Gebäude. Auf den Bürgersteig vor seiner offenen Garage hat er die Fahne malen lassen. Natürlich schläft er in gelb-grüner Bettwäsche. An den Wänden im Wohnzimmer hängen brasilianische Fußballhelden und alle Mannschaften, die bisher einen Pokal gewinnen konnten. Natürlich ist er überzeugt davon, dass die Seleção im eigenen Land Weltmeister wird.

In Paviottis Kleiderschrank hängen mehr als 30 Anzüge, mehr als 100 Socken, 50 Hüte, 40 Krawatten und zehn Paar Schuhe stehen bereit - alles in den Landesfarben. "Sogar meine Unterwäsche passt farblich", sagt er. Stolz zieht er einige Stücke aus einer Schublade - ausschließlich gelbe Slips und grüne Shorts.

Auch sein Büro ist in den brasilianischen Farben gehalten. Die Aktenordner stehen in gelb-grünen Schränken. Der Bildschirmschoner seines Computers zeigt die Flagge. Selbst zu einem Gerichtstermin zieht sich Paviotti niemals um.

Seit ein paar Monaten isst er nur noch Speisen, die farblich zu seinem Outfit passen. Auf dem Esstisch stehen grüne Äpfel, Ananas, Käse sowie ein gelber Kuchen, den seine Frau extra für ihn erfunden hat.

Immer wieder passieren Paviotti ungewöhnliche Dinge. Ein Pfarrer wollte ihn bei einer Hochzeit einmal aus der Kirche werfen, weil er in seinem Aufzug mehr im Rampenlicht stand als die Braut. Bei einer Beerdigung sorgte er für lächelnde Gesichter. "Ich habe die Menschen mit meinem gelben Anzug daran erinnert, dass das Leben weitergeht. Sie haben aufgehört zu weinen und konnten wieder lachen", sagt er. Seitdem ist er sicher, dass er in den Landesfarben auch beerdigt werden will.

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