Brasilien Kirche kämpft mit Plastikföten gegen Abtreibung

Drastische Maßnahme: Die katholische Kirche hat an Gemeinden in Rio de Janeiro Hunderte Mini-Föten verteilt, um gegen eine geplante Legalisierung der Abtreibung zu protestieren. Trickfilme über Schwangerschaftsabbrüche sollen Frauen zusätzlich abschrecken.


Rio de Janeiro - Die Kirche in Brasilien schreckt offenbar vor keinem Mittel zurück, um das ungeborene Leben zu schützen: Jetzt verteilten Priester 600 winzige Plastikföten an die mehr als 260 Gemeinden in Rio de Janeiro. In speziellen Messen würden den Föten beim heiligen Abendmahl Messwein und Hostie dargebracht. Dann rufe der Priester die Gläubigen auf, für ein Ende der Abtreibungen zu beten, erklärte Vater Ramon von der Kirche Nossa Senhora da Paz im Stadtteil Ipanema.

Doch damit nicht genug: Auch optisch sollen werdenden Mütter auf ihre Verpflichtung zum Schutz des Lebens eingestellt werden. In manchen Gemeinden werden daher Zeichentrickfilme über Schwangerschaftsabbrüche gezeigt. "Dies sind harte und klinische Bilder, aber sie zeigen die Realität", sagte Pfarrer Ramon.

Mit ihrer Aktion protestiert die katholische Kirche gegen mehrere Parlamentsinitiativen, die brasilianischen Frauen eine legale Abtreibung erleichtern sollen. Derzeit sind medizinische Schwangerschaftsabbrüche verboten - nur im Fall einer Vergewaltigung oder bei Lebensgefahr für die werdende Mutter ist eine Abtreibung möglich. Schätzungen zufolge werden in Brasilien jährlich mehr als eine Million illegaler Abtreibungen vorgenommen, bei denen Tausende Frauen sterben.

ala/AFP



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