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28. Januar 2019, 01:53 Uhr

Dammbruch in Brasilien

"Wir werden wahrscheinlich nur noch Leichen finden"

Nach dem Dammbruch an einer brasilianischen Eisenerzmine ist die Zahl der Todesopfer auf 58 gestiegen. Weitere 305 Menschen werden noch vermisst - der Gouverneur des betroffenen Bundesstaates sieht für sie nur wenig Hoffnung.

Rund 200 Feuerwehrleute und 13 Hubschrauber waren an den Such- und Bergungsarbeiten im brasilianischen Brumadinho beteiligt. Israel schickte 130 Soldaten und 16 Tonnen Material an die Unglücksstelle, um bei dem Einsatz zu helfen. "Leben zu retten, ist keine Frage der Entfernung, sondern wie weit zu gehen du bereit bist", schrieben die Streitkräfte vor dem Abflug Richtung Brasilien auf Twitter. Dennoch konnten Rettungskräfte am Sonntag keine Überlebenden in Brumadinho finden.

Dort war am Freitag ein Damm an der Eisenerzmine Córrego do Feijão des brasilianischen Bergbaukonzerns Vale gebrochen. Eine riesige Schlammlawine rollte über Teile der Anlage und benachbarte Siedlungen hinweg und begrub Häuser, Autos und Straßen unter sich.

Jüngsten Angaben zufolge kamen bei dem Unglück 58 Menschen ums Leben. Zuvor war von mindestens 37 Todesopfern die Rede gewesen. Nach Angaben der Zivilschutzbehörde wurden am Sonntag noch 305 Menschen vermisst - die Zahl der Toten dürfte demnach noch steigen.

Der Gouverneur des Bundesstaates Minas Gerais, Romeu Zema, erklärte, Polizei, Feuerwehr und Soldaten hätten alles getan, um Überlebende zu retten. "Doch wir wissen, dass von jetzt an die Chancen winzig sind und wir wahrscheinlich nur noch Leichen finden werden."

Suche nach Überlebenden kurzzeitig unterbrochen

Wie es zu dem Unfall kam, ist laut Vale-Präsident Fábio Schvartsman noch unklar. Er sprach von einer "fürchterlichen Tragödie". Die Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung ein, um die Verantwortlichen für das Unglück zu ermitteln. Der TÜV Süd hatte die Dämme im vergangenen Jahr geprüft, wie das Unternehmen in München auf Anfrage bestätigte. "Wir werden die Ermittlungen vollumfänglich unterstützen und den Ermittlungsbehörden alle benötigen Unterlagen zur Verfügung stellen."

Nach Angaben von Vale-Chef Schvartsman wurden auch bei einer weiteren Inspektion am 10. Januar keine Mängel entdeckt. Der 1976 gebaute und 86 Meter hohe Damm war zum Abriss vorgesehen.

Video: Tote und Vermisste nach Schlammlawine

Die Experten hatten am frühen Sonntagmorgen eine weitere Katastrophe an dem Bergwerk befürchtet: Vale löste wegen steigender Pegelstände an einem weiteren Damm Alarm aus. Die Feuerwehr rief die Bevölkerung der Stadt Brumadinho auf, sich in hochgelegene Gebiete in Sicherheit zu bringen. Die Suche nach den Vermissten wurde vorübergehend eingestellt. Wenig später teilte die Zivilschutzbehörde, es bestehe keine Gefahr mehr.

aar/dpa/AFP

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