Brasilien Weniger Kinder dank Seifenopern

Noch nie haben Brasiliens Frauen so wenig Kinder bekommen wie heute. Die Verfasser einer neuen Studie haben herausgefunden, warum: Die potenziellen Mütter gucken einfach zu viel fern.


London - Wer kennt ihn nicht, den geschmacklosen Witz, den sich Familien mit mehr als einem Kind bisweilen anhören müssen: "War euer Fernseher kaputt, oder was?" Solche Plattitüden bekommen angesichts einer neuen Erhebung aus Großbritannien ein vollkommen anderes Gewicht.

Die Wissenschaftler des Zentrums für wirtschaftspolitische Studien (CEPR) in London haben festgestellt, dass der dramatische Rückgang der Geburtenrate in Brasilien zumindest teilweise aus der Begeisterung für Seifenopern resultiert.

Die Produktionen des Fernsehsenders Globo hätten einen "messbaren" Einfluss darauf, wie viele Kinder sich brasilianische Frauen wünschten, sagte eine Mitautorin der Studie, Eliana La Ferrara von der Bocconi-Universität in Italien.

Die Geburtenrate in Brasilien ist in den vergangenen vier Jahrzehnten von 6,3 Kindern pro Frau auf nur 2,3 Kinder gesunken. Empirische Analysen von Volkszählungen und anderen Daten hätten gezeigt, dass der Rückgang in enger Verbindung stehe mit dem TV-Konsum der Frauen - und dabei vor allem der Serien auf Globo.

In den beliebten Soaps wird das Leben von Familien geschildert, die kleiner sind als die traditionelle brasilianische Familie. Nach dem Vorbild der Globo-Serien wünschten sich heute vor allem Frauen mit geringer Schulbildung weniger Kinder als früher.

Welchen immensen Einfluss die TV-Produktionen auf den Alltag der Menschen im Land haben, erkennt man auch daran, dass viele Kinder inzwischen auf den Namen der Serienhelden getauft werden.

ala/AFP



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