Terrorgefahr Polizei sagt Braunschweiger Karnevalszug ab

Der Karnevalsumzug in Braunschweig ist am Sonntag kurz vor dem Start abgesagt worden. Es gebe zuverlässige Hinweise auf eine terroristische Bedrohung.
Polizisten und Organisatoren des Karnevalsumzugs: Kurzfristige Absage

Polizisten und Organisatoren des Karnevalsumzugs: Kurzfristige Absage

Foto: Julian Stratenschulte/ dpa

Unter Verweis auf eine terroristische Gefährdung hat die Polizei den Braunschweiger Karnevalsumzug wenige Stunden vor Beginn abgesagt. Aus "zuverlässigen Staatsschutzquellen" sei bekannt geworden, dass eine "konkrete Gefährdung durch einen Anschlag mit islamistischem Hintergrund" vorliege, teilte die Polizei am Sonntag mit.

Die Polizeidirektion habe die Entscheidung zur Absage des Zugs nach Abstimmung mit Oberbürgermeister Ulrich Markurth (SPD) und Zugmarschall Gerhard Baller getroffen, hieß es in einer Erklärung der Polizei. Sie rief Karnevalisten auf, die Umzugsstrecke nicht aufzusuchen beziehungsweise gar nicht erst die Reise nach Braunschweig anzutreten.

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Der Umzug hätte eigentlich um 12.20 Uhr beginnen sollen. Zum Braunschweiger Karneval, dem sogenannten Schoduvel, waren am Faschingssonntag bis zu 250.000 Besucher erwartet worden. Das Spektakel gilt als der größte Karnevalsumzug Norddeutschlands.

Sorge der Muslime

Ein Zusammenhang zwischen der Absage und den Anschlägen von Kopenhagen bestehe nicht, sagte Polizeipräsident Michael Pientka gegenüber dem NDR. Oberbürgermeister Markurth sprach von einem "traurigen Tag für unsere Stadt".

Es sei auch "ein trauriger Tag für unsere demokratische Gesellschaft", sagte Markurth dem NDR. "Die Einschätzung der Polizei ließ eine andere Entscheidung allerdings nicht zu." Die Musikzüge sollten nun ab 14.00 Uhr in der Stadthalle auftreten. "Wir werden weiter Karneval feiern", sagte der Oberbürgermeister.

Der Vorsitzende des Landesverbandes der Muslime "Schura" hat sich gegenüber dem NDR besorgt geäußert. "Wir Muslime in Niedersachsen haben großes Unbehagen. Es beschäftigt uns sehr, was derzeit passiert", sagte Avnia Altiner. "Der Karneval ist hier eine Tradition. Keiner darf den Frieden in Niedersachsen stören."

Mainzer Umzug soll stattfinden

Der Rosenmontagszug in Mainz soll hingegen wie gewohnt stattfinden. "Bis jetzt gibt es keine konkreten Hinweise auf eine Terrorgefahr. Im Moment ist keine Absage geplant", sagte ein Sprecher des Innenministeriums am Sonntag in Mainz. "Aber wir sind sehr wachsam."

Unmittelbar vor der Absage in Braunschweig hatte das Bundesinnenministerium mitgeteilt, man sehe nach den Anschlägen von Kopenhagen derzeit keine erhöhte Terrorgefahr in Deutschland. Es gebe nach wie vor eine abstrakt hohe Gefährdung, sagte eine Sprecherin des Ministeriums der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Wir haben aber keine konkreten Hinweise auf Anschlagsplanungen in Deutschland", betonte sie. "Die Lage ist unverändert."

Die deutschen Sicherheitsbehörden stünden im engen Austausch mit den dänischen Kollegen. Da die Ermittlungen in Dänemark noch liefen, sei es aber noch zu früh, um genauere Rückschlüsse für Deutschland zu ziehen.

boj/dpa/afp